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Meditativer Impuls Februar 2021

 

 

 

Fang des Lebens

Mittendrin
ein Ruf
andere Netze knüpfen
Menschen fangen
nicht einfangen
nicht gefangen nehmen
sondern
auffangen, wenn einer fällt
abfangen, bevor etwas Schlimmes geschieht
und immer wieder neu anfangen

Georg Deisenrieder

 

 

Kommt her, mir nach!

Aus heutiger Sicht müssen die Personalentscheidungen Jesu aufhorchen lassen. Betrachtet man, wen er sich für den Aufbau des Gottesreiches ins Boot holte, kann man sich eigentlich nur wundern. Unter den ersten Jüngern gab es keine religiösen Profis, keine Theologen und Schriftgelehrten. Sie waren Jesus eher suspekt. Zu hartherzig waren sie ihm, denn sie stellten Buchstaben und Gesetze über die Menschen. Gegenüber Gutsituierten, Mächtigen und Gebildeten war er grundsätzlich skeptisch. Mit den Armen zeigte er dagegen große Solidarität, vielleicht auch deshalb, weil er selbst in einem Stall geboren und nach einer Migrationsodyssee im Haus des Zimmermanns Josef aufwuchs, noch dazu in einer Stadt, von der Nathanael abwertend sagt „Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?" (Joh 1,46). Taufen ließ sich Jesus weit draußen im Jordan, bekanntlich von Johannes, einem in Kamelhaaren gekleideten Wüstenmenschen.

Da passt der Beruf der ersten Jünger, die Jesus in seine Nachfolge rief, gut ins Gesamtbild: Sie waren Fischer, raue Männer, sturmwinderprobt und Nachtarbeiter. Sie brachten aber mit ihren Persönlichkeiten etwas mit, das man für den neuen Weg gut gebrauchen konnte: große Frustrationstoleranz: Wenn sie nichts fingen und die Netze leer blieben, gaben sie trotzdem nicht auf, vertrauten auf das Morgen und fuhren weiterhin hinaus auf den See. Und noch etwas trugen sie in sich: ein offenes Herz und Bereitschaft für Veränderung. Zu Simon Petrus und seinem Bruder Andreas sagte er nur: „Kommt her, mir nach!" (Mt 4,19) Das reichte, damit sie die Netze liegen ließen und ihm folgten. Bei den anderen beiden Fischern Johannes und Jakobus war es ähnlich.

Überredungskunst musste der Meister nicht anwenden. Es gab kein Vorstellungsgespräch, keine Funktionsbeschreibung, kein Aushandeln eines Arbeitsvertrages. Von einer Absicherung des künftigen Lebensunterhaltes für die Familien daheim ist ebenfalls nichts überliefert. Dafür gab es jede Menge Vertrauen – und die Zusage, dass ein großes Potential gefördert wird. „Ich werde euch zu Menschenfischern machen." (ebd.)

Text und Bild: Georg Deisenrieder