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Kindgerechte Geschichte über Flucht

Schülerinnen und Schüler der Bischof-Wittmann-Schule Regensburg hören die Geschichte von Amani

Wie ist es mitten in der Nacht geweckt zu werden und alles, was einem lieb ist, zurück zu lassen? Das Kinderzimmer mit Spielzeug, die gemütliche Wohnküche und die schnurrende Katze? Das erfuhren die Kinder der Bischof-Wittmann-Schule der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V. (KJF) von Autorin Katrin Holle. Gemeinsam mit Verleger Andreas Hollender und Illustratorin Laura Pierquin eröffnete sie den jungen Zuhörerinnen und Zuhörern einen berührenden Blick auf das Thema Flucht.

Schulleiterin Dr. Katja Sachsenhauser begrüßte mit Elisabeth Dittmeier, der Ideengeberin der Veranstaltung, die Gäste und die interessierten Schülerinnen und Schüler: „Gemeinsam lernen, spielen und den anderen mit allem, was ihn ausmacht, zu verstehen – das ist an unserer Schule sehr wichtig. Das Buch stellt das Thema Flucht kindgerecht dar, fördert Freundschaften und hilft geflohenen Kindern bei ihrer Integration."

Zweisprachig, verbindend, berührend

„Amani, sieh nicht zurück" ist zweisprachig in Deutsch und Arabisch geschrieben. Zwei Kinder können gemeinsam darin lesen. Die Illustrationen helfen die Geschichte zu verstehen. „Ich habe die Bilder meinen Eltern nach Frankreich geschickt, um sicher zu gehen, dass diese auch ohne Text verständlich sind", so Illustratorin Laura Pierquin. Sie zeigte den beeindruckten Kindern und Jugendlichen die Entwicklung ihrer Entwürfe bis hin zu den fertigen, farbigen Illustrationen. „Wir wünschen uns, dass das Buch zur Aufklärung im Kindesalter beiträgt, dass durch das gemeinsame Lesen Freundschaften entstehen, Distanzen überwunden werden und Voreingenommenheit durch Kommunikation verdrängt wird," so Katrin Holle, die mit Andreas Hollender zur Geschäftsführung des neuDENKEN Media Verlages gehört. Das Interesse der Kinder war während und nach der Lesung deutlich zu spüren. Einen Jungen ließ die Frage nach Amanis Freund Binan nicht los: „Wo ist Binan geblieben? Werden Amani und er sich wiedersehen?" „Nur gut, dass Amani ihren Teddybären mitnehmen konnte", bemerkte ein Mädchen in der ersten Reihe. Ende März findet nochmals eine Lesung des Buches an der Schule statt. Diesmal mit dem Übersetzer Dr. Abbas Amin.

Viele wahre Ereignisse in einer Geschichte

Katrin Holle hat mit Schülerinnen und Schülern der Berufsschule und der Beruflichen Oberschule Schwandorf zusammengearbeitet, die eigene Fluchterfahrungen eingebracht haben. Ganz nach dem Motto „Fremde sind Freunde, die man noch nicht kennt" hat die Arbeit an dem Projekt die beteiligten Schülerinnen und Schüler einander nähergebracht. Die Autorin berichtet begeistert: „Nur gemeinsam ließ sich dieses bedeutsame Projekt umsetzen. Die Schüler der FOS/BOS Schwandorf und der Übergangsklasse der Berufsschule Schwandorf verbrachten ihre Freizeit an sonnigen sowie bewölkten Tagen in einem Klassenzimmer, um Amanis Geschichte zu erzählen. Sie wollen der Öffentlichkeit mit diesem Buch eine Wahrheit offenbaren, die man zwar in Medien fast täglich sieht und hört, aber nicht mehr in ihrer grausamen Wirklichkeit wahrnimmt."

Amani trifft den Puls der Zeit

„Amani, sieh nicht zurück" soll Bestandteil von Seminaren werden, die Dr. Rudolf Hitzler unter Zuhilfenahme des Kinderbuches derzeit an der Uni Regensburg hält. Ein weiteres Ziel ist es, aus dem Buch eine Unterrichtseinheit und ein didaktisches Konzept zu konzipieren. Daraus wird Lehrkräften aller Übergangsklassen in der Oberpfalz eine entsprechende Fortbildung angeboten. So kann Amanis Geschichte bald im praktischen Unterricht eingesetzt werden. Und Amani soll noch mehr Freunde finden. „Nur so können Kinder verstehen, was es bedeutet, ins Ungewisse fliehen zu müssen. Nur so können sie Verständnis aufbringen. Gleichzeitig begreifen, wie unablässig es ist, Schutzsuchende zu unterstützen, ihnen zu helfen, damit sie mit Zuversicht in eine Zukunft blicken können, die ihnen den langersehnten Frieden bringt", hofft Katrin Holle.

Text und Bilder: Olga Baranowska