Meditativer Impuls März 2019

Mensch, wo bist du?

Der Künstler Uwe Appold hat ein beeindruckendes Meditationstuch zur Misereor-Fastenaktion 2019 „Mensch, wo bist du?" gestaltet. Es ruft auf, einen Standpunkt zu beziehen und Antwort zu geben: „Hier bin ich!" So sind wir eingeladen, zu schauen, wo wir uns selbst in den Farben und Formen des Bildes wiederfinden können:

Bin ich zurzeit an einem festen Ort auf dem Land oder eher wie auf einem weiten Meer bzw. am unendlichen Himmel unterwegs?

Finde ich mich wieder in dem einladenden und zugleich unfertigen Haus in der Kreismitte?

Sehe ich mich in der rot-blauen Figur, die offen zum Himmel die Arme erhebt und Wert auf rechte Balance legt?

Spricht mich das rote Kreuz, das ein Zeichen für Liebe und Leiden sein kann, an?

Bin ich einer dieser zwölf Steine, ein Baustein, wertvoller Edelstein oder Stein des Anstoßes?

Finde ich mich wieder in den geheimnisvollen Schriftzeichen, weil ich selbst nicht weiß, wer ich bin und welche unentdeckten Potenziale noch in mir stecken?

Oder sehe ich mich wieder in dem großen, goldenen Ring, weil mein endliches Leben aufgehoben ist in der Unendlichkeit und Herrlichkeit Gottes – auch wenn der Ring von der Mitte des Bildes weggeschoben ist, weil vieles in dieser Welt nicht rund läuft?

Welche Geschichten aus meinem Leben schwingen mit, wenn ich dieses Bild betrachte?

Uwe Appold gestaltete dieses Tuch mit Erde aus dem Garten Getsemane in Jerusalem, dem Ort, wo Jesus nach dem letzten Abendmahl angstvoll im Gebet mit seinem Vater im Himmel rang. Es ist auch der Ort der Gefangennahme in der Nacht vor dem Tod. In dieser Erde können wir alle Ängste dieser Welt und den Schrei nach Gerechtigkeit vereint wissen.

Man könnte sich auch vorstellen, wie ein Hungertuch wirkt, wenn es mit den Erden aus den sozialen Einrichtungen unseres Bistums gestaltet würde. Wie die goldenen, rotumrahmten Steine wären unsere KJF-Einrichtungen Orte, wo menschliche Nähe gelebt wird und heilsame Suchbewegungen bis zur Selbstfindung stattfinden. „Wo bist du?", fragt Gott den Menschen im Buch Genesis (3,9). Er stellt diese Frage jedem Einzelnen von uns bis auf den heutigen Tag. Wie gut, dass Gott selbst es ist, der Sehnsucht nach mir hat und die Initiative ergreift, mich zu suchen. Glücklich, wer auf diese Suchbewegung Gottes vertrauen kann – und sich finden lässt.

Georg Deisenrieder
Pastoralreferent

Foto: MISEREOR-Hungertuch 2019 „Mensch, wo bist du?" von Uwe Appold (c) MISEREOR – mit freundlicher Genehmigung

Weitere Informationen, Interpretationshilfen und Arbeitsmaterialien zum Hungertuch sind erhältlich unter: www.hungertuch.de.

Uwe Appold bietet am 20. März 2019 nachmittags zusammen mit der Kunstgruppe von CampusAsyl einen Workshop in Regensburg an. Infos und Anmeldung möglich bei Tel: 09 41  597-26 06  oder E-Mail: weltkirche@bistum-regensburg.de.