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Hymne an unsere Schöpfung

Eröffnung des Franziskusweges auf dem Hermannsberg bei Wiesent

Am Hermannsberg, hoch über der Gemeinde Wiesent gelegen, entstand mit Unterstützung des EU-Förderprogramms LEADER der Franziskusweg. Dieser ist im Kernbereich barrierefrei angelegt und verläuft in seiner Verlängerung barrierearm weiter bis in die Ortsmitte von Wiesent. Entlang des herrlichen Wander- und Spazierweges finden sich fünf besondere Kunstwerke zum Thema Sonnengesang und Schöpfung, die zum Nachdenken, zur Besinnung und zum Verweilen einladen.

„Unser besonderer Dank gilt dem Landkreis und unserer Landrätin Tanja Schweiger, welche uns erneut eine Förderung durch LEADER plus ermöglicht und das Vorhaben in der Umsetzung konstruktiv begleitet haben", richtete KJF-Direktor Michael Eibl seine Worte an stellvertretenden Landrat Hans Dechant, die Kreisräte, Kreisrätinnen und Mitarbeiterinnen wie Mitarbeiter aus dem Landratsamt, darunter Kulturreferent Dr. Thomas Feuerer und der Diplom Geograf Sven Päplow. „Der Franziskusweg war eines unserer Herzensprojekte", gesteht Eibl, „damit verbindet sich unser Kunstsinn mit dem Anliegen, das Wunder unserer Schöpfung allen Menschen zu vermitteln und barrierefrei zugänglich zu machen. Einen besseren Ort wie hier auf dem Hermannsberg und in Wiesent hätten wir dafür nicht finden können", so Eibl weiter.

Auch für Landrätin Tanja Schweiger hat der Franziskusweg mit Blick hinab ins Donautal besondere Bedeutung: „Mit dem Franziskusweg entstand nun schon das zweite barrierefreie Freizeit- und Erholungsangebot zur Förderung des Miteinanders von behinderten und nichtbehinderten Menschen am Hermannsberg in Wiesent. Es freut mich sehr, dass wir dieses schöne Projekt mit Fördergeldern aus dem europäischen LEADER-Programm unterstützen konnten und damit die Inklusion im Landkreis Regensburg weiter stärken".

Hans Horn, Geschäftsführer der KJF Werkstätten, richtete seinen Dank an die beteiligten Projektpartner: „So ein außergewöhnliches Projekt kann nur gelingen, wenn alle an einem Strang ziehen und mithelfen. Besonders bedanken möchte ich mich hier beim Rotary Club Straubing, dessen großzügige Spende das Anlegen einer Baumallee im zentralen Abschnitt des Franziskusweges ermöglicht hat."

Der Franziskusweg verbindet die Bildungs- und Begegnungsstätte Hermannsberg, eine Außenstelle der Bruder Konrad Werkstätte, mit Wiesent. Fünf Kunstwerke: die „Franziskusskulptur" von Andreas Kuhnlein, der „Lichtkreis mit Vogelmann" von Helmut Wolf, die „Vogelpredigt" von Tom Kristen, „Zwei bewegliche Windfahnen" von Ursula Merker und die „Säule der gesellschaftlichen Verantwortung oder Wertschöpfung durch Wertschätzung" von Tone Schmid. Die Objekte säumen den Weg und laden zum Nachdenken, zur Besinnung und zum Verweilen ein. Der Franziskusweg ist bewusst als Freizeitangebot für Menschen mit und ohne Behinderung konzipiert. Er soll Menschen zusammenbringen, inspirieren und ihrer Rekreation dienen. Bereits im Juli 2017 haben KJF-Direktor Michael Eibl, der Geschäftsführer der KJF Werkstätten Hans Horn und der Einrichtungsleiter der Bruder Konrad Werkstätte, Manfred Schmidt, mit den fünf Künstlerinnen und Künstlern sowie Kulturreferent Dr. Thomas Feuerer die Planungen begonnen. Bei der Segnung der Stationen durch Pfarrer Franz Xaver Matok aus Wiesent und Pfarrer Hasso von Winning aus Straubing wurde der inklusive Gedanke des Projekts augenfällig. Eingebettet in die wunderbare Landschaft und mit dem Ausblick hinab in das Donautal ließ sich die Hymne an die Schöpfung erspüren. Beim Rundgang zu den einzelnen Stationen des Franziskusweges pflanzten Pfarrer Hasso von Winning, in seiner Funktion als Präsident des Rotary Clubs Straubing, und einige weitere Vertreter aus dem Rotary Club Straubing, einen der Bäume für die Allee, die künftig einen Teil des Franziskusweg säumen wird.

 

Bewusstes Erleben der Schöpfung

Der Franziskusweg führt aus der Ortschaft Wiesent auf den Hermannsberg und dort an fünf modernen Kunstwerken vorbei. Die Künstler (Tone Schmid, Ursula Merker, Tom Kristen, Andreas Kuhnlein, Helmut Wolf) wurden von einer Jury ausgewählt und haben Themen aus dem Sonnengesang des Heiligen Franziskus umgesetzt. Die Kunstobjekte bilden die Wegstationen. Grundthema ist der Sonnengesang und das bewusste Erleben der Schöpfung. Der Franziskusweg hat Anschluss an regionale, überregionale und lokale Wanderwege wie den E 8 (Europäischer Fernwanderweg), den Jakobsweg (Zuweg), den Goldsteig (Zuweg), den Burgensteig und den sog. „Zick-Zack-Weg". Das Projekt wurde gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung ländlichen Raums (ELER).

Das Bildungshaus Hermannsberg der KJF Werkstätten gemeinnützige GmbH ist ein Haus der Begegnung und Besinnung von Menschen mit und ohne Behinderung. Daran schließt sich  nun der Franziskusweg mit den fünf Kunstwerken an. Den Künstlern und der Künstlerin sind eindrucksvolle Werke gelungen, die Teile aus dem Sonnengesang des Heiligen Franziskus in Erinnerung bringen und zur Meditation anregen. Eine Informationstafel beschreibt die Kunstwerke in „einfacher Sprache", so dass sie auch Menschen mit geistiger Behinderung verstehen können.

 

Die Kunstwerke

Die aus einem - vom Sturm gefällten - Eichenstamm gefertigte Franziskusskulptur soll die unverzichtbare Symbiose von Mensch und Natur symbolisieren. Die teils zerklüftete Oberfläche erinnert an Vergänglichkeit, als zentrale Wahrheit menschlicher Existenz.

Die Arbeit „Lichtkreis mit Vogelmann" ist aus Eichenholz bemalt, der Kreis als Symbol für Gemeinschaft, oben sitzend eine männliche Figur im Gespräch mit einem Vogel. Der Aufstellungsort wurde bewusst gewählt, um die Landschaft durch einen leuchtenden Ring betrachten zu können.

Die „Vogelpredigt" greift eine Szene aus dem Leben des Heiligen Franziskus auf, als dieser nach Bevagna ging und dort das Wort an die Vögel richtete.

„Zwei bewegliche Windfahnen ‚Himmel‘: Die Sonne schickt die Vögel auf die Reise und gegenüber am Wegrand der Mond, der es der Sonne gleichtut. Glas und Licht gehen eine Symbiose ein. Die Windfahnen sind in Bewegung und so ändert sich die Sicht auf die gravierten Scheiben.

Die „Säule der gesellschaftlichen Verantwortung oder Wertschöpfung durch Wertschätzung" aus recycelten Waschmaschinentrommeln, die zu neuen Leben erweckt werden, erinnert an tibetische Gebetsmühlen und Gebetsfahnen und nimmt so den Gebetsaspekt des „Sonnengesangs" des Franziskus auf. Die farbigen Akzente dienen als Angriffsfläche bzw. Spielwiese für „Bruder Wind", der alles in Bewegung versetzt. Die glitzernde Oberfläche huldigt dem „Bruder Sonne". Das gegenseitige Beeinflussen der verschiedenen Ebenen spiegelt das Ideal des verantwortungsvollen gesellschaftlichen Miteinanders wider, wo alle mitgenommen werden sollen. Keiner bleibt auf der Strecke, auch wenn Glaube und Religion zwar die maßgeblichen Halt gebenden aber gleichzeitig auch zerstörerisch wirkenden Säulen und Fundamente des menschlichen Daseins sind. Die "Säule der gesellschaftlichen Verantwortung" taumelt, wackelt und sortiert sich dennoch immer wieder neu, indem die einzelnen Segmente in der Drehung - im Dialog - zur unerwarteten Balance, zum Ausgleich und somit zur Lösung finden.

Text und Bilder: Christine Allgeyer