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Für eine unbeschwerte Kindheit und Jugend ist es nie zu spät

JUMPAKIDS • das Regensburger Adipositas-Zentrum für Kinder und Jugendliche der KJF Regensburg und bundesweit einmalige Modell-Projekt, ist am Start.

Im Februar 2020 startete JUMPAKIDS, das Regensburger Adipositas-Zentrum für Kinder,
Jugendliche und Eltern, unter Trägerschaft der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese
Regensburg e. V. Das bundesweit einzigartige Modellprojekt konnte dank großzügiger Unterstützung der Sanddorf Stiftung, der AOK Bayern, der Stadt und dem Landkreis Regensburg auf den Weg gebracht werden. Mit der Corona-Krise mussten zwar etliche Aktionen erst einmal verschoben werden, die Beratung aber läuft – unkompliziert, vertraulich, fachlich hoch kompetent, kostenfrei – per Telefon und Skype.

Frank Böhm, Sportökonom, Sportlehrer, Dorothea Brenninger, Diplom-Oecotrophologin, Adipositas-Trainerin (KgaS), Projektleiterin, Rita Reitinger, Diplom-Sozialpädgogin, Mediatorin, Jasmine Ferstl, Verwaltungsangestellte, Raphael Hentschel, M.Sc. Psychologe, Adipositas-Trainer (KgaS)

Übergewichtige junge Menschen, die in einer adipogenen Lebenswelt aufwachsen (z. B. sozioökonomischer Status der Familie, Bildung, Kultur, Gesundheitspolitik), haben selbst noch keine Chance, den Teufelskreis zu durchbrechen. 85 Prozent von ihnen werden adipöse Erwachsene.
In Deutschland gibt es 1.719.599 übergewichtige und 658.807 adipöse Kinder und Jugendliche.
Dies entspricht 15 Prozent übergewichtigen, darunter 6,3 Prozent adipösen Kindern. In
Stadt und Landkreis Regensburg leben über 7.700 übergewichtige und knapp 3.000 adipöse
Kinder und Jugendliche.


Adipositas ist eine ernsthafte Erkrankung

Wie Dorothea Brenninger, Diplom-Oecotrophologin und Leiterin von JUMPAKIDS, ausführt,
sind Übergewicht und Adipositas laut WHO im 21. Jahrhundert die größten Risikofaktoren für
Gesundheit und seelisches Wohlergehen: „Wir brauchen eine Kultur des Hin- und nicht des
Wegsehens." Aus ihrer langjährigen Tätigkeit als Ernährungswissenschaftlerin und Adipositas-
Trainerin weiß sie, dass viele der betroffenen Familien seelisch belastet oder sozial benachteiligt sind. „Übergewicht ist häufig ein Signal für mangelnde Chancengleichheit oder auch eine Folge psychischer Probleme eines jungen Menschen." Bisherige Hilfsangebote griffen bei dieser chronischen Erkrankung zu kurz oder kämen nicht an, weil die Familien schwer zu erreichen oder motivieren seien.

„Nur gemeinsam und durch eine gute Vernetzung aller beteiligten Professionen können wir
hier wirksam etwas ändern. Das wollen wir mit diesem Modellprojekt gewährleisten, machen
wir doch immer wieder die Erfahrung, dass fehlendes Verständnis für die Komplexität allzu
leicht durch Stigmatisierung ersetzt wird."
Michael Eibl, Direktor der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg, freut sich sehr über das
neue Modellprojekt, da es dringend gebraucht würde und mit dem bisherigen Beratungsangebot nicht abgedeckt werden konnte. „Wir legen dabei unser Augenmerk nicht nur auf Unterstützungsangebote für Betroffene, sondern wollen die Präventivarbeit entsprechend
ausbauen. JUMPAKIDS und unsere anderen beratenden Dienste werden sich hervorragend
ergänzen und gegenseitig unterstützen."
JUMPAKIDS, ergänzt Raphael Hentschel, M.Sc. Psychologe und Adipositas-Trainer, ist eine interdisziplinäre Kompetenz-, Beratungs- und Vernetzungsstelle: „Hier erhalten und erlernen
Kinder und Familien Veränderungs-Werkzeuge und Strategien. Sie aktivieren Fähigkeiten, wie
sie gemeinsam aus dem Teufelskreis von Übergewicht und Frustration aussteigen können."


Das bietet JUMPAKIDS

Kinder, Jugendliche, Familien und junge Erwachsene können sich jederzeit kostenlos an JUMPAKIDS wenden. Hausärztinnen und Hausärzte, die Familien über einen langen Zeitraum kennen und betreuen, haben die Möglichkeit, junge übergewichtige und adipöse Patienten und
Patientinnen an die neue Beratungsstelle weiterzuleiten. Eine Überweisung ist nicht nötig.
Auch Lehrer, Erzieherinnen, Hortbetreuer oder Jugendsozialarbeiterinnen können betroffene
Kinder an die neue Beratungsstelle verweisen.
Dr. med. Georg Leipold, Kinderarzt und Kinderkardiologe, ein wichtiger Kooperationspartner
von JUMPAKIDS, kann das neue Beratungsangebot nur dringend empfehlen. In seiner Praxis
muss er erleben, wie die derzeitige Corona-Krise das Problem zusätzlich verschärft: „Die Kinder
und Jugendlichen können nicht raus. Da wird noch mehr durch Essen kompensiert. Einer
meiner jungen Patienten hat allein in den letzten Wochen 15 Kilo zugenommen."

Übergewicht und Adipositas sind Ausdruck tieferliegender Bedürfnisse. Das Team von JUMPAKIDS, zu dem neben Dorothea Brenninger und Raphael Hentschel noch Frank Böhm, Sportökonom und Sportlehrer, Rita Reitinger, Diplom-Sozialpädagogin und Mediatorin, sowie Jasmin Ferstl, Verwaltungsangestellte, gehören, setzt alles daran, zu jungen Menschen und ihren Familien zunächst einmal Vertrauen aufzubauen. Eine stabile Beziehung ist die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Begleitung. Neben individueller Beratung wird es u. a. Kochtreffs für Familien und Jugendliche geben, Freizeitaktivitäten und Feriencamps, Sportgruppen für Kinder und Jugendliche, Elterntrainings und Treffen für Jugendliche zum Thema „Medienkompetenz".

Aufgrund der Corona-Krise bereitet das Team im Moment verschiedene Online-Angebote vor.
Eine kleine Info-Broschüre sowie eine Website stehen ebenfalls in Kürze zur Verfügung.

So nehmen Sie Kontakt auf:
• Telefon: 0941 7 98 87-1 41
• E-Mail: info@jumpakids.de

 

Text: Isolde Hilt
Bild: Christine Allgeyer