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Fast 40 Jahre Pionier- und Entwicklungsarbeit in der Sonderpädagogik

Maria Welsch verabschiedet sich aus der Bildungsstätte St. Wolfgang der KJF in Straubing

Seit 1981 ist Einrichtungs- und Schulleiterin Maria Welsch bei der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg (KJF) tätig – und genau so lange in der Bildungsstätte St. Wolfgang. 38 Jahre lang hat sie die Entwicklung der interdisziplinären Bildungsstätte mitgestaltet, mitgelebt. Jetzt wurde die Einrichtungs- und Schulleiterin in den Ruhestand verabschiedet. Zahlreiche Gäste aus Kirche und Politik, Partner und Mitstreiter für die Weiterentwicklung der Förderzentren aus der Kommunal- und Landespolitik, Fach- und Bildungslandschaft Bayerns waren dabei.

Im Theater am Hagen beschenken die Kinder und Jugendlichen aus St. Wolfgang und der St. Jakob Grundschule ihr Publikum und natürlich Maria Welsch mit einer fulminanten Aufführung des Stücks "Die Kluge".

„Jeder Tag war schön und wertvoll."

KJF-Direktor Michael Eibl würdigte Maria Welsch: „Alle inklusiven Schritte, welche die KJF und auch die Landesarbeitsgemeinschaft der Förderschulen gegangen sind, wurden von Maria Welsch mitangestoßen, erprobt und weiterentwickelt! Ich habe höchsten Respekt vor Ihrer pädagogischen Leistung! Ein herzliches Vergelt´s Gott für Ihren außerordentlichen Einsatz für die Ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen!" Und ja, „jeder Tag war schön und wertvoll", blickt die Einrichtungs- und Schulleiterin auf ihre Arbeit in St. Wolfgang zurück.

Bild v.li.: OB Markus Pannermayr, KJF-Direktor Michael Eibl, Leitender Regierungsschuldirektor Rainer Fauser, Rektorin Maria Welsch, Otto Wagmann von der Regierung von Niederbayern, der künftige Schulleiter Jürgen Horn und stellvertretender Landrat Franz-Xaver Stierstorfer.

Auch Oberbürgermeister Markus Pannermayr stellte Maria Welschs Verdienste heraus: „Fachlich mit hoher Qualität erfolgreich" – das verdiene höchsten Respekt. St. Wolfgang zeichne sich durch besondere Herzlichkeit und Menschlichkeit aus. „Sie haben St. Wolfgang zu einem Leuchtturm integrativer und inklusiver Bildungsarbeit entwickelt", lobte auch der stellvertretende Landrat Franz-Xaver Stierstorfer die Schul- und Einrichtungsleiterin. Beide Kommunalpolitiker dankten Maria Welsch für ihre Lebensleistung. Dass die Pädagogin auch durchaus hartnäckig sein konnte, machte der Leitende Regierungsschuldirektor Rainer Fauser in seinem Grußwort deutlich: „Du wolltest immer noch mehr", blickt er auf die vielen Jahre ihres Wirkens zurück und insbesondere auf ihre Bemühungen die Schule inklusiv weiterzuentwickeln und zu öffnen. „In St. Wolfgang habt ihr Kunst und Kultur zusammengebracht und gleichzeitig Inklusion gelebt."

Diese Tatsache bescheinigte auch das aufwändig in Szene gesetzte Stück „Die Kluge" nach der Oper "Die kluge Bauerntochter" von Carl Orff, die Reinhard Bertold, Musiklehrer in St. Wolfgang, für die Verabschiedung von Maria Welsch bearbeitet hatte. Gemeinsam mit dem Schülerorchester des Anton-Bruckner-Gymnasium unter der Leitung von Dr. Werner Stoffels brachten es Kinder und Jugendliche aus St Wolfgang und der Grundschule St. Jakob im Theater am Hagen auf die Bühne. Ein wahrlich fulminantes Ereignis. Sichtlich gerührt dankte Maria Welsch ihrem Konrektor Thilo Geppert, der das Projekt verantwortlich begleitete und umsetzte.

 

Maria Welsch wird „einfach alles vermissen"

Von 1994 bis 2013 war sie 19 Jahre lang als Konrektorin tätig. „Nach der zweiten Schulleitung dachte ich mir, jetzt bewerbe ich mich selber", erzählt sie lachend. Und so wurde Maria Welsch an der ihr bereits so gut bekannten Wirkungsstätte Schulleiterin. Auf die Frage „Was werden Sie vermissen?", antwortet Maria Welsch: „Einfach alles!" Und das ist einiges. Die interdisziplinäre und inklusive Einrichtung für Kinder und Jugendliche, die geistig beeinträchtigt oder von geistiger Behinderung bedroht sind, umfasst die Interdisziplinäre Frühförderstelle, das Integrative Kinderhaus die Schulvorbereitende Einrichtung, das Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, die Heilpädagogische Tagesstätte, die Fachdienste und das Nardiniheim. In Zahlen gesprochen betreuen derzeit 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ca. 360 Kinder und Jugendliche, in der Frühförderstelle weitere 300 bis 400 Kinder im Jahr. Das alles zu überblicken erfordert höchste fachliche Kompetenz, Gelassenheit und Humor.

 

Eine offene Tür und ein waches Auge für alle

Trotz der beachtlichen Größe der Einrichtung war der Einrichtungsleiterin jedes einzelne Kind wichtig. Sie legte den Schwerpunkt darauf, dass jedes Kind mit der entsprechenden Förderung dort abgeholt wird, wo es in seiner Entwicklung steht. So führte sie beispielsweise die pädagogisch-therapeutischen Konferenzen ein, bei denen über jedes Kind gesprochen wird. Der Aufwand ist groß. „Aber nur so bin ich mir sicher, dass wirklich kein Kind und seine Belange übersehen werden und seien es nur Kleinigkeiten. Das ist mir enorm wichtig", betont Maria Welsch. Es ist die Gesamtheit der großen und kleinen Dinge, die diese herzliche und kompetente Leitung ausmachten, bei der die Schulgemeinschaft stets an erster Stelle und die Büroarbeit an zweiter standen. „Meine Türe stand immer offen. Erst als alle weg waren, habe ich mich an den Schreibtisch gesetzt. Mein Team sollte wissen, dass jeder mit allem zu mir kommen kann, dass ich es mit allen Anliegen ernst nehme." Während der Abschiedsfeierlichkeiten bezog sich der MAV-Vorsitzende in St. Wolfgang, Harald Richter, auf Welschs „Politik der offenen Türe": „Wir werden dich vermissen. Du hast uns mit deiner wunderbaren Art jeden Tag berührt." Gibt es ein schöneres Lob für die scheidende Schul- und Einrichtungsleiterin Maria Welsch? Wohl kaum.

 

Inklusion und individuelle Förderung

Maria Welsch ist eine Vorreiterin der Inklusion, des Öffnens nach außen. Bereits seit 20 Jahren finden in St. Wolfgang Kooperationen mit Regelschulen statt. Das Konzept der Außenklassen hat sich bewährt: Mittlerweile gibt es fünf Außenklassen an drei Grundschulen und an einer Mittelschule. Als eine unter den ersten Förderschulen Bayerns erhielt die St. Wolfgang Schule Straubing daher das Schulprofil „Inklusion". Die Förderung besonders schwerstbehinderter und verhaltensauffälliger Kinder und Jugendlichen behielt Maria Welsch immer im Blick: „Man darf die Schülerschaft nicht vergessen, die nicht die Möglichkeiten hat in Außenklassen oder in den inklusiven Grundschulklassen länger mit dabei zu sein, weil sie es einfach nicht schaffen", so die Pädagogin. „Diese Kinder und Jugendlichen werden bei uns im Haus intensiv und individuell gefördert und durch die Öffnung unserer Förderschule finden auch sie Kontaktmöglichkeiten zu Kindern und Jugendlichen ohne Behinderung", so Maria Welsch weiter.

 

Ausgezeichnetes Team auf Expansionskurs

Das wertvolle Engagement des Teams rund um Einrichtungs- und Schulleiterin Maria Welsch jeden dort abzuholen, wo er steht, zahlt sich aus, findet Beachtung, Bewunderung und verdient Auszeichnung. Die Stiftung Bildungspakt Bayern hat gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus und der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. – 15 bayerische Schulen mit dem „i.s.i. – Innere Schulentwicklung und Schulqualität Innovationspreis 2018" ausgezeichnet. St. Wolfgang erhielt den ersten Preis unter den Förderschulen für hervorragende Leistungen. Und die Entwicklung geht weiter, denn ein Umbau der Bildungsstätte steht an. Seit 2014 plant St. Wolfgang ein neues Berufsschulstufenhaus, neue Räume für die heilpädagogische Tagesstätte und die Generalsanierung der gesamten Bildungsstätte. Alle Planungen wurden von Maria Welsch begleitet, sind abgeschlossen und liegen im Moment zur Genehmigung bei der Regierung vor. Maria Welsch wird sicher auch diesen Entwicklungsschritt in ihrem wohlverdienten Ruhestand mitverfolgen. Ihrem Nachfolger, Sonderschulrektor Jürgen Horn, der ihren Abschied mitfeierte, wünschten Maria Welsch und KJF-Direktor Michael Eibl alles Gute.

Text: Olga Arnstein, Christine Allgeyer
Bilder: Christine Allgeyer