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Ethik-Komitee der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg diskutiert sozial-ethische Fragen der Pandemie

Das Gremium der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg (KJF) hat im vergangen Jahr die Arbeit aufgenommen und befasste sich aktuell mit den Corona-Maßnahmen in den Einrichtungen und Diensten der KJF. „Gerade in der Krise ist es mir wichtig, über Haltungen zu sprechen", erklärt KJF-Direktor Michael Eibl, der das Ethik-Komitee der KJF einberuft. Dort vereinen erfahrene Experten die Disziplinen Theologie, Recht, Medizin, Psychologie, Pädagogik und Sozialpädagogik.

Wie können wir diese Krise in Verantwortung für Kinder, Jugendliche, Familien und Menschen mit Behinderung bewältigen, wie Selbstbestimmung und Teilhabe während der Einschränkungen im Lockdown verwirklichen? Was heißt es, in Belastungssituationen solidarisch in der Dienstgemeinschaft zueinanderzustehen? Welche Positionen vertritt die KJF in der Pandemie? Diese Fragen diskutierte das Ethik-Komitee der Katholischen Jugendfürsorge. Wichtig ist deren Direktor Michael Eibl, leitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Krise gut zu begleiten und ihnen Handlungssicherheit zu geben.

 

Inklusion in der Pandemie – ein Spannungsverhältnis zwischen Schutz und Teilhaberecht

Außer Frage steht für das Ethik-Komitee der KJF das Spannungsverhältnis zwischen den Schutzmaßnahmen für Menschen mit Behinderung und deren Teilhaberechte wie auch Selbstbestimmung. In der politische Gremien- und Lobbyarbeit setzt sich KJF-Direktor Michael Eibl dafür ein, dass Kinder, Jugendliche und Familien, erwachsene Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen während der Krise die notwendige Unterstützung bekommen. „Wir dürfen nicht aus dem Blick verlieren, wie belastet Familien mit einem behinderten Kind und Familien in schwierigen Lebenssituation sind und wie schnell Menschen mit Behinderung in ihren Fähigkeiten und in ihrer Entwicklung zurückfallen, wenn sie nicht mehr gefördert werden. So ist die Notbetreuung in unseren Förderschulen für Familien mit einem behinderten Kind ein sehr wichtiges Angebot", erklärt Eibl, „unsere Ausbildungseinrichtungen unterstützen Jugendliche mit hoher Kreativität, damit sie ihre Abschlüsse schaffen. Diese sind genauso wichtig wie andere Abschlussprüfungen. Die Beratungsstellen sind nach wie vor nahe an den Menschen in Video- und Telefonberatungen sowie im Rahmen der geltenden Schutz- und Hygienevorschriften." Das Ethik-Komitee der KJF fordert: Maßnahmen zum Schutz der Menschen mit Behinderung in der Pandemie dürfen deren Recht auf Selbstbestimmung und Teilhabe nicht mehr einschränken als das der Gesamtbevölkerung.

 

Die solidarische Dienstgemeinschaft der KJF trägt in der Krise.

Lockdown bedeutet in den Wohngemeinschaften für erwachsene Menschen mit Behinderung 24 Stunden Dienst an sieben Tagen die Woche. Lockdown und Betretungsverbot stellen ein Risiko für den Betrieb der KJF-Werkstätten dar, denn Kunden erwarten Leistung auch wenn weniger Personal eingesetzt werden kann und Schutz- und Hygienemaßnahmen die internen Abläuft erschweren. Die Belastungen während der Pandemie kann das Stammpersonal der Wohneinrichtungen nicht alleine bewältigen – ebenso können es die KJF-Werkstätten nicht immer ohne Hilfe. In dieser Situation ist KJF-Direktor Michael Eibl froh und dankbar, dass das solidarische Miteinander in der KJF-Dienstgemeinschaft durch die Krise trägt. So haben sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Entlastungseinsätze bereit erklärt.

Gelebte Solidarität in der KJF ist im christlichen Menschenbild verankert, wie es für die Katholische Jugendfürsorge leitend ist. „Achtsamkeit und Wertschätzung prägen das solidarische Miteinander in der Dienstgemeinschaft und den Umgang mit den Menschen, die sich uns anvertrauen" – lautet einer der Leitsätze im Leitbild der Katholischen Jugendfürsorge.

In Verantwortung und Fürsorge für die besonders belasteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bietet die KJF Oasentage an: „Diese Auszeit, um sich zu entspannen, zu sich selbst zu kommen ohne Anforderungen und Erwartungen, ist sehr wichtig für unsere Fachkräfte, die in der Pandemie weit über ihre Grenzen gehen", stellt Michael Eibl heraus. Er ist dankbar für deren enormen Einsatz.

 

Die Corona-Impfung ist ein wichtiger Schritt aus der Pandemie

Das Ethik-Komitee nahm den Bericht des Direktors zur Situation in den Einrichtungen mit großer Sorge aber auch Respekt vor den Leistungen der dort Beschäftigten entgegen. Für die KJF ist die Impfung gegen COVID 19 neben der Einhaltung der Hygienevorschriften und der Vorkehrungen im Lockdown die wichtigste Maßnahme, um Menschenleben zu schützen und den Weg aus der Pandemie in einen normalen Alltag zu ebnen. Seit Mitte Dezember informiert der Direktor der Katholischen Jugendfürsorge Michael Eibl intensiv über die Corona-Impfung, u.a. in Leichter Sprache, um auch die Bewohnerinnen, Bewohner sowie Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Einrichtungen und Diensten der KJF zu erreichen. „In der Pandemie", so Eibl, „möchten wir einen Grundkonsens in unserer Dienstgemeinschaft fördern und Orientierung geben. Die Beratungen des Ethik-Komitees der KJF leisten hierzu einen wichtigen Beitrag."

Text: Christine Allgeyer