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Erstes ostbayerisches Wirtschaftsgespräch

Unternehmern sind faire Arbeitsbedingungen und Wertschätzung wichtig

Regensburg – Unter dem Motto „Arbeit: bewusster statt immer mehr" diskutierten rund 130 Unternehmer und Personalverantwortliche beim ersten ostbayerischen Wirtschaftsgespräch in der vergangenen Woche (28.06.2012) in Regensburg über faire Arbeitsbedingungen und den richtigen Umgang mit ihren Mitarbeitern. „Der Führungsstil in einem Unternehmen muss von Wertschätzung geprägt sein", betonte der Direktor der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) der Diözese Regensburg e.V. Michael Eibl. Der kirchliche Träger hatte die Veranstaltung gemeinsam mit dem Integrationsfachdienst Oberpfalz (IFD) organisiert. Die Diskussionsrunde soll künftig regelmäßig alle zwei Jahre stattfinden.

Gruppenbild

Bild v.li.:Herbert Sinz (Vorstandsmitglied KJF), Birgit Bauer-Groitl, Dr. Friedrich Assländer, Äbtissin Laetitia Fech, Georg Thurner, Evi Feldmeier, Harry Landauer, Manina Sobe, Stefan Waas, KJF-Direktor Michael Eibl.

„Alles soll im Arbeitsleben zur rechten Zeit und in einem ausgewogenen Maß erfolgen", sagte die Waldsassener Äbtissin Laetitia Fech in einer Hinführung zum Thema. Die Ordensfrau leitet das Kloster Waldsassen, das sie als mittelständisches Unternehmen mit 75 Mitarbeitern beschreibt. „Die Stärken von Menschen drängen nach außen und sie wollen bei der Arbeit zur Geltung kommen", betonte sie.

Beständiges Wachstum, wie von der Wirtschaft häufig verfolgt, komme in der Natur nicht vor, erklärte der Managementtrainer Dr. Friedrich Assländer bei einem einführenden Referat und rief dazu auf, dass Wirtschaftsbosse Grenzen des Wachstums akzeptieren müssten. „Die gleichen Menschen müssen immer mehr arbeiten", sagte er. „Dieser Leistungsdruck führt dazu, dass Menschen es nicht mehr verkraften können und vermehrt psychische Störungen auftreten."

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert vom Programmchef des Funkhauses Regensburg Harry Landauer, kamen Unternehmer zu Wort, die sich aufgrund ihres Engagements für ihre Mitarbeiter einen Namen gemacht haben. So wurde beispielsweise die Deutsche Technoplast GmbH aus Wörth an der Donau im Jahr 2010 ausgezeichnet und zählte als „TOP JOB – Unternehmen" zu einem der besten mittelständischen Arbeitgeber in Deutschland. Die Mitarbeiter wurden dabei anonym im Internet befragt. Für das Unternehmen war die Auszeichnung jedoch nur Anreiz: „Wir arbeiten daran, dass wir uns kontinuierlich verbessern", erklärte die Mitinhaberin Birgit Bauer-Groitl. Die Betriebsleiterin Evi Feldmeier der Werkstätte St. Josef, einem Standort der KJF Werkstätten gemeinnützigen GmbH in Straubing, stellte die Wertschätzung für ihre Mitarbeiter in den Mittelpunkt.

Abtissin Laetitia Fech und KJF-Direktor Michael Eibl sowie IFD-Leiterin Manina Sobe und Dr. Friedrich Assländer

li: Äbtissin Laetitia Fech und KJF-Direktor Michael Eibl, re.: IFD-Letierin Manina Sobe mit Dr. Friedrich Assländer

Gegen „Wachstum ohne Ende" sprach sich Stefan Waas als Geschäftsführer der Bavaria Flocktechnik GmbH in Pilsach aus. „Es ist wichtig, auch einmal zufrieden zu sein und nicht immer weiter zu wachsen", sagte der Chef von 60 Mitarbeitern, der in seinem Team auch 12 Menschen mit Behinderung beschäftigt. „Ich würde jedem Unternehmer raten, die Arbeit mit behinderten Menschen einmal auszuprobieren", betonte er. Vor allem bei diesen Mitarbeitern stelle er fest: „Sie gehen in ihrer Arbeit auf, wenn sie merken, dass sie geschätzt werden." Zudem wirke sich deren Beschäftigung positiv auf das Betriebsklima auf.

Eine Anregung, die Georg Thurner als Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Ostbayern eG aufgriff. Er zog für sich aus der Diskussion den Schluss, verstärkt über eine Beschäftigung von Menschen mit Behinderung nachzudenken. Moderator Harry Landauer berichtete von einer Untersuchung des Beratungsunternehmens Gallup Ende 2011, wonach nur 13 Prozent der Beschäftigten sich selbst als engagiert und motiviert einstuften. 67 Prozent würden nach dieser Studie Dienst nach Vorschrift leisten, 20 Prozent hätten innerlich bereits gekündigt. „Es fehlt an Lob und Anerkennung. Vorgesetzte interessieren sich zu wenig für ihre Mitarbeiter", sagte der Moderator.

„Wird der Beschäftigte nicht gelobt, behindert ihn das bei seiner Arbeit", bestätigte Georg Thurner. Kritisch ging er mit sich und anderen Arbeitgebern ins Gericht: „Wir sind nicht geübt darin, Lob anzusprechen, sondern eher in Fehlern zu denken. Ein Mitarbeiter will aber beides, er will Gutes und Schlechtes hören." Die Arbeitswelt werde beständig komplexer. „Unsere Mitarbeiter steigen gar nicht mehr durch", führte er aus. Seine Strategie sei daher auch als Chef, den Menschen als Mitarbeiter zu mögen und ihm dies auch zu zeigen.

Text: Martina Groh