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Eintrittskarten in ein selbstbestimmtes leben

Absolventenfeier im B.B.W. St. Franziskus Abensberg

84 Sommer- und 12 Winterabsolventen nahmen am vergangenen Donnerstag im B.B.W. St. Franziskus Abensberg ihr Abschlusszeugnis entgegen und erhielten damit die „Einlassberechtigung" in einen neuen Lebensabschnitt. Für viele der jungen Menschen waren die vergangenen Lehrjahre im B.B.W. alles andere als einfach. „Wir haben unsere Eintrittskarten ins Leben mit sehr viel Aufwand erarbeitet", sagte Niklas Meyer, „wertschätzen wir selbst, was uns in die Lage gebracht hat, so zu sein wie heute". Der junge Einzelhandelskaufmann hatte bereits zuvor im Rahmen des Gottesdienstes in der hauseigenen Kapelle seine vielseitige Begabung gezeigt: auf der Gitarre, als Sänger und als Songwriter. „Die Welt kann nur funktionieren, wenn wir als Team miteinander arbeiten", war Niklas Meyer überzeugt, und folgte damit dem den Gottesdienst begleitenden Grundgedanken eines respektvollen Mit- und Füreinanders.

v.li.: KJF-Abteilungsleiter für Teilhabeleitungen Johannes Magin, Schulleiterin Bettina Fuchs, Preisträger Alexander Hentschka, KJF-Direktor Michael Eibl, Preisträger Ricco Opolka, Dr. Christine Scharf-Haggenmiller, Bereichsleiterin der Agentur Regensburg, BBW Stellvertr. Gesamtleiterin Gerlinde Dubb

Beim Festakt in der bis zum letzten Platz gefüllten Turnhalle war die Freude darüber, es geschafft zu haben, vielen der jungen Menschen anzusehen, und natürlich die Erleichterung. Die spürbare Aufregung fing Viktor Ullmann (Haustechnik) mit seiner Eigenkomposition für Gitarre wunderbar ab: Inspiriert durch den Wasserlauf der Altmühl, der ihn selbst immer wieder „zur Ruhe gebracht hat", nahm er die Zuhörer mit auf eine akustische Reise. „Hier wächst etwas großartig Musikalisches heran", sagte der stellvertretende Landrat Wolfgang Gural in seiner nachfolgenden Laudatio: „Der Landkreis Kelheim ist stolz auf euch!"

Auch Michael Eibl, Direktor der Katholischen Jugendfürsorge – des Trägers des Berufsbildungswerkes – sagte, er habe „Gratulation und Dank mitgebracht". Der Dank gelte an dieser Stelle allen Eltern, die loslassen müssen, und das oft über viele Kilometer hinweg. Dank natürlich auch allen Mitarbeitern der Einrichtung: Was früher der Meister dem Gesellen und Lehrling war, das sei heute das B.B.W., als Vermittler von Erfahrungsschätzen und wesentlichen Werten. Es gehe um viel mehr, als „nur" um die berufliche Ausbildung; Professionalität und Menschlichkeit werden hier zu einer Ganzheit verbunden. Nur so könne man letztlich der Einzigartigkeit eines jeden gerecht werden. „Ausbildung Plus" nannte es Eibl, wobei das Plus für Werte und Beziehungen stehe, damit gelingendes Leben gestaltet werden kann.

Respekt zollte auch der zweite Bürgermeister der Stadt Abensberg, Dr. Bernhard Resch, den Absolventen. Er wünsche sich, dass doch einige in der Region bleiben und ihre Talente vor Ort einsetzen werden. Auch Manuel Lorenz sprach den Absolventen seine Anerkennung dafür aus, den Weg bis hierher gegangen zu sein: „Wer die Tiefen nicht kennengelernt hat, weiß die Höhen nicht zu schätzen", sagte der Geschäftsführer der IHK Geschäftsstelle Abensberg. Nach einer spontan zur allgemeinen Erheiterung von Hannelore Langwieser moderierten „Modenschau" rief die CSU-Politikerin zu Offenheit und Ehrlichkeit auf: „Wir müssen ehrlich miteinander umgehen", sagte Langwieser; und direkt an die Absolventen gerichtet: „Hinterfragt das, was ihr wollt! Ihr habt alle Möglichkeiten der Welt."

Ins Leben ohne Angst zu gehen, das wünschte Veli Biligic allen seinen Weggefährten. Für ihn sei das B.B.W. für vier lange Jahre Orientierung und Familienersatz gewesen. Die Tatsache, dass er während dieser ganzen Zeit keinen einzigen Fehltag zu verzeichnen hat, würdigte die stellvertretende Ausbildungsleiterin Gerlinde Dubb im Anschluss an die Zeugnisübergabe mit einem gut gefüllten Präsentkorb: „Auf dass er weiterhin gesund bleibe." Traditionell kamen an dieser Stelle zwei ehemalige sowie zwei diesjährige Absolventen zu Wort. Svenja Röckl, Kauffrau im Einzelhandel (Abschluss 2016), absolviert derzeit eine zweite Ausbildung zur Wirtschaftsfachwirtin: „Das ist schwer, aber ich schaffe es", sagte die selbstbewusste junge Frau. Erfolgreich im Leben steht auch Informatikkaufmann Daniel Stephan (Abschluss 2010), der im Herbst eine Ausbildung zum IT-Administrator beginnen wird und sich darüber hinaus politisch engagiert.

v.li: Stellvertretende Gesamtleiterin Gerlinde Dubb, BBW Ausbildungsleiter Technik David Arnold, Absolvent Veli Biligic (Frisör)

Bewegende Worte richtete Melanie Oriwoll (Absolventin Gebäudereinigung) an ihre Weggefährten und alle künftigen Auszubildenden: „Verliert nie den Glauben an euch selbst, bewahrt immer die Ruhe und beißt in den sauren Apfel, wenn es hart wird. Seid mutig und steht auf euren eigenen Beinen!" Niklas Mayer fügte hinzu, das B.B.W. könne gerade in schwierigen Phasen durch individuelle Grenzen und Brücken jedem Einzelnen großen Halt bieten. „Akzeptiert immer die Andersartigkeit eures Gegenüber", sagte der junge Mann, „und seid stolz auf euch!"

Stolz konnten die Absolventen wirklich sein: von den insgesamt 96 Auszubildenden werden es lediglich vier in einem zweiten Anlauf noch einmal versuchen. Sollten diese ihre Prüfung auch bestehen, „wovon wir derzeit ausgehen" (Silvia Haumer), dann liegt die Erfolgsquote bei 98 Prozent. Und nicht nur das, viele haben ihre Prüfungen nicht nur gut, sondern sehr gut absolviert, und alle haben unglaublich viel erreicht. Ricco Opolka (Fachkraft im Gastgewerbe) und Alexander Hentschka (Fachlagerist) erhielten für ihre herausragenden Leistungen die Traumnote 1,0. Damit haben sich die Absolventen des B.B.W. auch 2019 eine Basis erarbeitet, die Sicherheit gibt, und das nötige Selbstvertrauen um ihren Weg zu gehen in „die Welt draußen".

Text: Dr. Elisabeth Angenvoort
Bild: Stefan Pischulti