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Ein Zuhause für Menschen mit Behinderung

Im historischen Zentrums Straubings:
Vinzentiushaus – ein neues Zuhause für Menschen mit Behinderung

Darauf haben die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner des Vinzentiushaus in Trägerschaft der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V. schon lange gewartet: Auf ihren Spatenstich – oder besser auf den Beginn der Sanierungsarbeiten an dem denkmalgeschützten Haus in der Straubinger Innenstadt, Flurlgasse 23. Es ist ein besonderes Bauvorhaben, denn die erwachsenen behinderten Menschen haben bei den Planungsarbeiten mitgearbeitet und viel darüber nachgedacht, wie ihr neues Zuhause aussehen soll.

Gruppenbild symbolischer Spatenstich

Gemeinsam angepackt: Die Bauarbeiten am Vinzentiushaus beginnen.

Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr stellte in seinem Grußwort beim symbolischen Spatenstich heraus: „Mitten in der Stadt – mitten unter uns. Der viel zitierte Begriff der „Inklusion" wird mit dem Spatenstich zu Beginn der Sanierungsarbeiten am Vinzentiushaus in der Flurlgasse in die Tat umgesetzt. Ein Zuhause für Menschen mit Behinderung, an dem seine Bewohner selbst mitwirken, das ihren Wünschen, Vorstellungen und Bedürfnissen entspricht, setzt unser Streben nach einem gelungenen und selbstverständlichen Miteinander fort. Das Projekt ist ein weiterer Mosaikstein im segensreichen Wirken der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg hier in Straubing."

Selbstbestimmung ist ein zentrales Anliegen

„Unser Betreuungs- und Wohnangebot entwickelt sich mit den Bedürfnissen und Wünschen der Betreuten weiter. Wir fördern die Selbstbestimmung jedes Einzelnen und die Mitbestimmung und Mitwirkung in den Wohnheimen ist uns ein zentrales Anliegen", erklärt Einrichtungsleiter der Wohngemeinschaften St. Hildegard Peter Weiß. Die Wohngemeinschaften St. Hildegard bieten an den Standorten Straubing, Krankenhausgasse 13, Bogen, Haselbach, Niederachdorf und Donaustauf insgesamt 147 erwachsenen Menschen mit Behinderung ein Zuhause. Darüber hinaus unterstützt der ambulante Dienst der Einrichtung ca. 30 behinderte Menschen beim selbständigen Leben in der eigenen Wohnung.

Bei dem Bauprojekt setzten die Verantwortlichen in der KJF von Beginn an auf die aktive Teilhabe behinderter Menschen am Leben in der Gemeinschaft.. KJF-Direktor Michael Eibl sieht im Vinzentiushaus zum einen die wichtige Chance Inklusion miteinander zu gestalten und zu leben, zum anderen trage die Katholische Jugendfürsorge der Tatsache Rechnung, dass der Bedarf an Wohnangeboten für Menschen mit Behinderung kontinuierlich steige. „Wir versuchen mit immer mehr Standorten und unterschiedlichsten Wohnformen diesem Bedarf nachzukommen", so Eibl, „sie reichen von Wohngruppen und –gemeinschaften in Wohnheimen über individuell betreutes Wohnen und Wohnhäuser für Erwachsene." Ziel sei, so viel Eigenständigkeit der Bewohner wie möglich.

KJF-Direktor Michael Eibl sprach den an den Planungsarbeiten und an der Finanzierung beteiligten seinen besonderen Dank aus. Die Stadt Straubing habe das Projekt bestens unterstützt. „Auch dem Bezirk und der Regierung Niederbayern, sowie dem Freistaat Bayern gilt unser Dank", so Eibl. Sie alle haben beim Bauvorhaben, finanziell mitgeholfen." Die Kosten für den Umbau des Gebäudes mit knapp 1.300 Quadratmetern Nutzfläche belaufen sich auf etwa 2,26 Millionen Euro. Der Bezirk Niederbayern bezuschusst die Baumaßnahme mit 179.500 Euro, der Freistaat Bayern gewährt einen Zuschuss von 828.250 Euro. Ein weiterer aus der Ausgleichsabgabe in Höhe von 502.600 und ein verzinsliches Darlehen aus der Ausgleichsabgabe von 125.650 Euro helfen der KJF das Projekt zu stemmen.

Alle sind Gewinner!

Betreute; Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren von dem inklusiven Ansatz der Lebens- und Wohnraumgestaltung. Die Unterstützungs- und Hilfeangebote sind auf die Bedürfnisse der behinderten Menschen abgestimmt. Die Fachkräfte haben Gestaltungsräume und können immer wieder neue Perspektiven entwickeln. Letztlich bleibe die Einrichtung selbst beweglich und somit für die Zielgruppe attraktiv, ist sich Peter Weiß sicher. „Auch das Umfeld erfährt: behinderte Menschen gehören selbstverständlich dazu."

Experten in eigener Sache

Die 13 Bewohnerinnen und Bewohner im Alter zwischen 21 und 62 Jahren, die das Vinzentiushaus beziehen werden, haben sich gemeinsam mit Gruppenleiterin Elisabeth Rosner intensiv mit dem für die Sanierungsarbeiten beauftragten Architekten Siegfried Knipl und dem für die Elektroplanung zuständigem Ingenieurbüro Bernhard Frey auseinandergesetzt. Sie besichtigten das über 100 Jahre alte Gebäude und entwickelten ihr Wohnkonzept: neben ihren Zimmern sollte es eine große Küche und einen Hobbyraum sollte es geben, Telefon in jedem Zimmer, Internet für alle, im Garten Hochbeete, Obstbäume und eine Hollywoodschaukel. Diese Wünsche werden auch Realität! Es gab nur wenige Vorstellungen, die sich nicht erfüllen ließen. Somit entspricht das neue Wohnhaus im Herzen Straubings den Vorstellungen der Bewohner ideal. Alle freuen sich auf ihr neues Heim, bei dem sie mitbestimmt haben, wie es aussehen wird. „Und sie können dies genauso gut, wie wir auch, denn sie sind die Experten in eigener Sache", erklärt Elisabeth Rosner, die tatkräftig mit plante und eigene Erfahrungswerte in das Konzept einbrachte. Besonders wichtig war allen, die Zimmer so zu gestalten, dass die Bewohner vorhandenes Mobiliar gut unterbringen können. Freilich ist in dem Gebäude noch viel mehr zu tun: Einen Aufzug und ein neues zweites Treppenhaus wird es ebenfalls geben.

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Weiterführende Informationen:

Das Vinzentiushaus bietet Wohn- und Lebensraum für 15 erwachsene behinderte Menschen, die nicht oder noch nicht selbständig wohnen und leben können und die stationärer Hilfen in der Lebensführung bedürfen. Die Bewohner gehen tagsüber einer Arbeit nach, in der Regel in der Straubinger Werkstätte St. Josef. Die sozialpädagogische Betreuung und heilpädagogische Förderung richtet sich nach dem individuellen Hilfebedarf und umfasst alle Lebensbereiche. Die Betreuung ist individuell, ganzheitlich und dauerhaft. Möglichst selbstständig und selbstbestimmt werden die Betreuten unabhängig von der Schwere ihrer Behinderung am Leben in der Gemeinschaft teilhaben. Ähnlich dem Zusammenleben in der Familie gestalten sie mit den Fachkräften ihren Alltag und ihre Freizeit. Alles, was die Gruppe betrifft, entscheiden und organisieren sie mit. Neben Heimleitung und –verwaltung arbeiten ein Fachdienst und pädagogisches Personal zusammen. In den Gruppen arbeiten Erzieher/innen, Heilerziehungspfleger/innen oder –helferinnen sowie Sozialbetreuer/innen und Praktikanten mit. Für die Bereiche Hauswirtschaft und Hausmeisterei ist ebenfalls Unterstützung vorgesehen.

Zentral an der Fußgängerzone in der Innenstadt von Straubing gelegen, wird Teilhabe optimal ermöglicht durch die vorhandene Infrastruktur mit Geschäften, Vereinen, Allgemein- und Fachärzten, Cafes und Gaststätten, Kultureinrichtungen und dem öffentlichen Nahverkehr.


Text: Christine Allgeyer