« Zurück

Du musst jetzt wieder mal nachhause kommen.

„Du musst jetzt mal wieder nachhause kommen.
Wir haben dir Blumen ins Zimmer gestellt."

Beate S.  ist 50 Jahre alt und lebt gemeinsam mit 11 Mitbewohnern ziemlich selbstständig in einer Wohngemeinschaft in Windischeschenbach, einem Standort der Wohngemeinschaften St. Benedikt in Mitterteich. Jeden Tag fährt sie in der KJF Werkstätte nach Mitterteich. Dort hat sie ihren Arbeitsplatz in der Montage. Sie arbeitet halbtags. Ein schönes Leben: ein Arbeitsplatz, die Gemeinschaft in der Wohngruppe, die Besuche bei der Familie, Ausflüge, Feste und vieles mehr, was sie mit den Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern unternimmt.

Dann verbreitet sich COVID-19 und Beate S. wird krank – sehr krank. Es ist der 17. März, ein Dienstag, als sie mit hohem Fieber ins Krankenhaus kommt und am nächsten Tag schon beatmet werden muss. Die Situation ist ernst und für Beate S. lebensbedrohlich. Sie wird in ein künstliches Koma gesetzt und über Wochen hinweg beatmet. Ihre Familie, die Wohngruppe, Einrichtungsleiterin Elke Bauer und die Hausleitung Doris Heining machen sich große Sorgen, hoffen und beten und müssen doch hilflos abwarten. Es wird Mai, die Ungewissheit bleibt, der Zustand von Beate S. ist immer noch so, dass die Ärzte nicht zu sagen wagen, ob sie überlebt oder nicht. Die Hoffnung auf eine Besserung schwindet zunehmend.

Schließlich entscheiden die Ärzte, Beate S. aufzuwecken. Sie legen eine Trachealkanüle. Doch die Patientin öffnet nur einmal die Augen und reagiert sonst nicht. Wie kann man helfen? In der Familie entsteht die Idee, Beate S. irgendwie an ihre Wohngruppe und die Mitbewohner zu erinnern. Ihre Schwester fragt dort nach. Alle aus der Gruppe überlegen und nehmen dann Sprachnachrichten auf, die man Beate S. vorspielen kann: „Mensch, Beate, du musst jetzt mal wieder nachhause kommen, wir haben dir Blumen ins Zimmer gestellt." Die Gruppe stellt viele nette und lustige Nachrichten, aber auch Bilder für einen Digitalbilderrahmen zusammen. Beate S. Schwester nimmt die Sprachnachrichten mit ins Krankenhaus. Ein Krankenpfleger berichtet aus dem Krankenhaus, dass Beate S. nach einiger Zeit auf das Gehörte reagiert, sie lacht sogar. Es ist wie ein Wunder! Als hätten die Menschen, mit denen sie zusammenlebt, sie ins Leben zurückgeholt. Auch die Ärzte und Krankenschwestern bestätigen, dass die Sprachnachrichten bei Beate S. ein kleines Wunder bewirkt haben.

Seit 16. Mai atmet Beate S. wieder selbstständig. Sie wird zwar künstlich ernährt, kann sich aber schon bemerkbar machen, wenn sie etwas möchte oder nicht möchte. Am 18. Mai beginnt die Reha-Maßnahme und seitdem wünschen und hoffen alle, dass Beate S. bald wieder in ihre Gruppe zurückkehrt.

Text: Christine Allgeyer
Bild: Edith Bannert