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Ausstellung "Kunst.Preis" zum 2. Mal im Kunst- und Gewerbeverein

Kunst eröffnet Menschen mit besonderen Bedürfnissen neue Möglichkeiten, mit ihrer Umwelt in alternativer Form zu kommunizieren.

Nach dem großen Erfolg 2010 haben der Kunst- und Gewerbeverein Regensburg e. V. und die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e. V. den Kunst.Preis für Menschen mit geistiger Behinderung in Niederbayern und der Oberpfalz zum 2. Mal ausgelobt. Die Beteiligung war überwältigend: 187 Kunstschaffende haben sich mit 543 Kunstwerken beworben. Die Ausstellung zeigt 150 Arbeiten, darunter Werke der drei Preisträger Robert Dallmeier, Kevin Lombard und Tobias Schmöller. Ein weiterer Höhepunkt: Die Kulturformen Hartheim aus Oberösterreich sind mit einer Gastausstellung vertreten.

Gruppenbild Presiträger und Jury Kunstpreis 2012

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Kunst.Preis 2012 mit den Mitgliedern der Jury. (Foto: Stefan Hanke)

„Menschen mit geistiger Behinderung machen Kunst? Richtige Kunst?" Der Kunst.Preis bringt frischen Wind in die 'Szene', entfacht Diskussionen zu Fragen wie „Was ist Kunst? Ab wann ist es Kunst? Wer bestimmt, was Kunst ist?". Mit der bekannten deutschen Schriftstellerin Eva Demski, die erneut die Patenschaft für den Wettbewerb übernommen hat, haben die Künstlerinnen und Künstler eine leidenschaftliche Bewunderin gefunden: „Ich habe diese Rolle gerne übernommen und denke zurück an die vielen Künstler, denen ich begegnet bin und mit denen sich der so genannte 'Kunstbetrieb' schwer tat. Der hat mich noch nie interessiert, er hat mir zu oft Scharlatanerie aufschwatzen wollen. Hier fühle ich mich ernst genommen."
Der Kunst.Preis will Menschen mit geistiger Behinderung mehr Raum für ihre künstlerische Entfaltung ermöglichen. Er will Türen öffnen, um ihnen eine selbstbestimmte Teilhabe in der Gesellschaft zu ermöglichen. In der Konsequenz und einer wirklichen Auseinandersetzung führt hier vielleicht die Frage weiter, was Menschen, ob mit, ob ohne Behinderung, vereint, die sich über die Kunst auszudrücken versuchen. Eva Demski, die sich lange schon für l'art brut oder – wie man sie früher nannte – die „Kunst der Geisteskranken" begeistert, versucht es so zu fassen: „Jeder Künstler, etabliert, kanonisiert oder nicht, speist sich aus dunklen Quellen, aus Süchten und Sehnsüchten, aus Ängsten und Unzulänglichkeiten. Aus all dem entsteht das Werk, und wenn es ernsthaft ist, wird es uns berühren."

Die Preisträger

Die Kunst.Preis-Ausstellung berührt. Der Jury – mit Alfred Böschl, Vorsitzender der Jury und Mitglied im Kunst- und Gewerbeverein, Dr. Rudolf Ebneth, Mitglied im Vorstand des Kunst- und
Gewerbevereins, Michael Eibl, Direktor der KJF, Renate Höning, Künstlerin und Heilpädagogin, Edmund Klingshirn, Behindertenbeauftragter des Landkreises Kelheim, Wilma Rapf-Karikari, Geschäftsführerin KartenhausKollektiv und Galeristin, Martin van Bracht, Künstler und Kunsttherapeut – fiel die Wahl unter 543 Kunstwerken nicht leicht. Das Ergebnis:
Der 1. Preis, dotiert mit 1.000 Euro, ging an Robert Dallmeier aus Reuth für sein Werk „Rennauto" (Mischtechnik auf Karton). Über den 2. Preis in Höhe von 500 Euro konnte sich Kevin Lombard aus Schwandorf für sein Werk "Hose" (Linolschnitt) freuen. Tobias Schmöller aus Passau überzeugte mit dem Werk "Heintje" (Bleistift, Gouache, Ölpastellkreide), das ihm den 3. Preis mit 300 Euro einbrachte. In der Ausstellung sind 85 Künstlerinnen und Künstler mit insgesamt 150 Werken zu sehen, die in einem eigenen Katalog gewürdigt werden.

Warum ein Wettbewerb?

Ein Wettbewerb, so die Jury, macht leichter auf das noch ungewöhnliche Projekt aufmerksam: Er ermuntert Kunstschaffende, sich zu beteiligen. Er zieht in der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit auf sich. Der Kunst.Preis – das hat die erste Ausstellung gezeigt – berührt und fasziniert diejenigen, die betrachten und sich darauf einlassen. Eva Demski empfiehlt zu sammeln: „Hier ist ein wunderbares Sammelgebiet zu entdecken, unberührt und unverdorben vom Warencharakter, dem auch die Kunst nicht entkommen ist. Künstler und Sammler könnten hier wieder zu ihrem Ursprung zurückkehren. Man verliebt sich in etwas, das ein anderer gemacht hat. Man kauft es ihm ab, zu einem realistischen Preis. … Sammeln Sie diese Kunst, dann sind Sie die echte Avantgarde!"

Die KULTURFORMENHARTHEIM

Der Kunst.Preis wird in diesem Jahr um einen weiteren Höhepunkt bereichert: In einer Gastausstellung präsentieren sich die die KULTURFORMENHARTHEIM, die sich als Plattform für Kunst im Kontext mit Beeinträchtigungen verstehen. „Förderung und Reflexion des kreativen Potenzials nehmen einen hohen Stellenwert ein. Seit Anbeginn des Ateliers in den 1990er Jahren werden die Artefakte gesammelt, fachgerecht archiviert und dokumentiert. Wir verfügen daher über viele interessante Werke", berichtet Kristiane Petersmann, Kuratorin und Künstlerin. „Malen, Zeichnen, dreidimensionales Gestalten eröffnen gerade auch Menschen mit besonderen Bedürfnissen neue Möglichkeiten, mit ihrer Umwelt in alternativer Form zu kommunizieren und ihre Emotionen auf individuelle Art zu vermitteln."
Die KULTURFORMENHARTHEIM sind als Einrichtung des Institutes Hartheim in Oberösterreich im Schloss Hartheim untergebracht, das als Tötungsstätte in der NS-Zeit traurige Berühmtheit erlangte.

Freunde und Partner für Kunst.Preis gewonnen

Kunst lebendig zu halten, ist ohne ideelle und finanzielle Unterstützung schwer möglich. Mit Markus Sackmann, MdL, Bayerischer Staatssekretär für Arbeit- und Sozialordnung, Familie und Frauen, Joachim Wolbergs, Bürgermeister, Stadt Regensburg, und Günther Lange, Regionalstellenleiter, Zentrum Bayern Familie und Soziales • Region Oberpfalz haben die Katholische Jugendfürsorge sowie der Kunst- und Gewerbeverein als Veranstalter Partner für den Kunst.Preis gefunden, auf die Verlass ist. Auch die KJF-nahe Stiftung „Für junge Menschen." unter dem Vorsitz von Max Harreiner steht als Verbündete verlässlich zur Seite.

Aussicht

Der Kunst.Preis ist bereits jetzt schon mehr als „nur eine Ausstellung über drei Wochen". Er hilft, Barrieren zwischen Menschen mit und ohne Behinderung zu überwinden. Er macht offensichtlich, über welche künstlerische Ausdruckskraft Menschen mit geistiger Behinderung verfügen, wenn sie ein Forum vorfinden, das ihre Arbeit würdigt. Für die Katholische Jugendfürsorge, die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert, gibt der Kunst.Preis einen wichtigen Impuls für die Zukunft, stellt Direktor Michael Eibl fest: „Über die Kunst können viele behinderte Menschen oft am besten ausdrücken, was sie bewegt, und leisten damit einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft. Diese Räume gilt es zu erweitern."

Die Ausstellung „Kunst.Preis" ist zu sehen bis:
Sonntag, 15. Juli 2012
im Haus des Kunst- und Gewerbevereins Regensburg
Ludwigstraße 6 • 93047 Regensburg

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag12.00 bis 18.00 Uhr
Samstag, Sonn- und Feiertag10.00 bis 18.00 Uhr
Der Eintritt ist frei.

Vorankündigung
Wir laden heute schon herzlich ein zu einer Finissage mit Eva Demski am Sonntag, 15. Juli 2012, 11.00 Uhr.

Text: Isolde Hilt

Bild: Stefan Hanke