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Armutsbekämpfung und Schutz von Kindern und Jugendlichen im Mittelpunkt - Wettbewerb für Kinderrechte in Ostbayern

Mitgliederversammlung der AGkE

Die Arbeitsgemeinschaft katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfe und der Jugendsozialarbeit in der Diözese Regensburg (AGkE) setzte sich bei der diesjährigen Mitgliederversammlung mit den teilweise äußerst bedenklichen Entwicklungen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe auseinander.

Michael Eibl und Prof. Dr. Mechthild Wolff

Michael Eibl überreicht ein kleines Dankeschön an Frau Prof. Dr. Mechthild Wolff, Referentin zum Thema „Kinderschutz in Institutionen" bei der diesjährigen AGkE-Mitgliederversammlung.

Am Beispiel der Armutsentwicklung machte Michael Eibl, Vorsitzender der AGkE Regensburg deutlich, dass es auch in Bayern bedauerliche Entwicklungen gebe: Mehr als eine halbe Million junger Menschen unter 25 Jahren in Bayern lebt in Armutssituationen - wird im 2011 erschienenen Sozialbericht der bayerischen Staatsregierung festgestellt. Darunter sind etwa 200.000 Jugendliche im Alter von 15 bis17 Jahren, die im Übergang zwischen Schule, Ausbildung und Beruf, zum Kreis der Armen gehören.

Gesellschaftliches Engagement für diejenigen,
deren Zukunftschancen verbaut sind

Hinzu käme, dass der momentane Personalbedarf auf dem Arbeitsmarkt vielen jungen Menschen den Zugang zu Ausbildungsstellen ermögliche, die sie noch vor zwei Jahren nicht bekommen hätten, weil Betriebe sie aufgrund vielfältiger „Handicaps" als nicht ausbildungsreif bezeichnet hätten. Viele dieser jungen Menschen werden aber ihre Ausbildung nach zwei oder drei Jahren nicht erfolgreich abschließen und gehören dann als „Ungelernte und ohne Abschluss" erneut zu den Menschen, die in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten als erste in den Strudel der prekären Arbeitsverhältnisse geraten. Hier werde durch eine mangelhafte Berufsvorbereitung Armut vorbereitet.

Um deutlich zu machen, wie regional präsent dieses Thema ist, ergänzte Eibl, dass Bayern mit durchschnittlich 10,1 Prozent die niedrigste Kinder-Armutsquote in Deutschland habe. Jedoch bedeute das konkret: im Landkreis Freising sind es lediglich 2,4 Prozent, in Wunsiedel hingegen 20,8 Prozent der Kinder unter drei Jahren, die in Armut aufwachsen. In den Städten Hof und Weiden sind es mehr als 30 Prozent nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2012.

Gerade in einer Zeit, in der der Arbeits- und Ausbildungsmarkt boomt und vielfältige Unterstützungsangebote für Kinder, Jugendliche und Familien mit besonderem Förderbedarf bereitstehen, müsse sich gesellschaftliches Engagement auf diejenigen konzentrieren, deren Zukunftschancen nach wie vor verbaut sind, so der Vorsitzende. Die Einrichtungen und Dienste der AGkE müssten sich daher in besonderer Weise zu Wort melden und Anwalt dieser betroffenen Kinder und Familien sein.

Kinderschutz in Institutionen
Die AGkE-Einrichtungen der Diözese hatten sich außerdem mit dem Thema Kinderschutz in Institutionen befasst, eine Fragestellung die angesichts des neuen Bundeskinderschutzgesetzes, der Runden Tische zur Heimerziehung der 50er und 60er Jahre, aber auch der zahlreichen Missbrauchsvorfälle in Einrichtungen, Vereinen und Familien von höchster Aktualität ist. Frau Prof. Dr. Mechthild Wollf von der Hochschule Landshut, die bundesweit Projekte zu diesem Thema begleitete und auch Qualitätsstandards hierzu für das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erarbeitet hat, stellte Ergebnisse aus ihrem Erfahrungsrepertoire vor. Als wesentliche Bausteine zum gelingenden Kinderschutz seien die Möglichkeiten der Partizipation innerhalb der Einrichtungen zu stärken, etwa durch Kinderparlamente. Außerdem seien kind- und jugendgerecht beschriebene, transparente Beschwerdewege in den Institutionen festzulegen. Als externe Anlaufstellen bei Beschwerden sollten Ombudsstellen zur Verfügung stehen. Die AGkE- Einrichtungen unterstützen diese Formen der Beteiligungs- und Beschwerdemöglichkeiten und werden anhand der beschriebenen Empfehlungen ihre Einrichtungen weiterentwickeln.

Um Kindern und Jugendlichen ihre Rechte bekannt zu machen, veranstalten die Kinderheime und Tagesstätten der AGkE derzeit den ersten ostbayerischen Kinderrechte-Wettbewerb. In Filmen, Fotos, Skulpturen und Collagen werden Kinderrechte von den jungen Leuten thematisiert – eine Preisverleihung mit prominenter Jury wird es im Juli 2012 in Regensburg geben.

Text: Robert Gruber