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Abgeordetenbesuch im B.B.W. St. Franziskus in Abensberg

Aktuelle Herausforderungen junger Menschen mit Fluchthintergrund waren Thema des Besuchs des Bundestagsabgeordneten Erhard Grundl und der Landtagsabgeordneten Gülseren im Berufsbildungswerk in Abensberg. Gerlinde Dubb, stellvertretende Einrichtungsleiterin, und Johanna Anthofer, Abteilungsleiterin für den Bereich unbegleitete Minderjährige, führten die Gäste durch das Haus. Mit dabei: Richard Ziegelmeier, Stadt- und Kreisrat B 90 / Die Grünen Abensberg, Ingeborg Groll-Ziegelmeier, Maria und Simon Deml und Kreisrätin Anita Karl (Straubing/ Bogen).

Johanna Anthofer brachte den Gästen Aufgaben und Zielsetzung des Hauses nahe und stellte die Herausforderungen in der Arbeit mit jungen Flüchtlingen dar. Seit Januar 2014 bietet das B.B.W., eine Einrichtung der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e. V., minderjährigen Flüchtlingen, die ohne Eltern in Deutschland angekommen sind, ein Dach über dem Kopf und eine schulische Weiterbildung. „Die Herausforderungen sind vielschichtig. Die größten Herausforderungen resultieren jedoch aus gesetzlichen und politischen Veränderungen", erklärt Anthofer, „die Bereitschaft Flüchtlinge auszubilden ist hoch, allerdings bilden die gesetzlichen Vorgaben ein Hindernis für die Ausbildung", so Anthofer weiter.

Erhard Grundl, kulturpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen, kennt die Problematik. Er will wissen: „Wo sehen Sie die größten politischen Hemmschuhe?" „Wir arbeiten sehr gut mit den zuweisenden Stellen zusammenarbeiten wie etwa mit dem Jugendamt Kelheim, aber lange Asylverfahren wirken sich sehr negativ aus", erklärte Johanna Anthofer, „denn die Hoffnung einen Beruf zu erlernen und die Motivation der Jungs geht dadurch verloren. Das erschwert die Arbeit der Pädagoginnen und Pädagogen erheblich - ein junger Mensch braucht Orientierung und Ziele im Leben", so Anthofer.

Die Landtagsabgeordnete und Sprecherin für Integration, Flucht und Asyl von Bündnis 90/Die Grünen, Demirel Gülseren, sieht es ähnlich: „Menschen, die zu uns kommen, sind Teil unserer Gesellschaft. Das Menschenrecht auf Bildung gilt für jeden. Das wird blockiert, wenn Schülerinnen und Schüler keine Arbeitserlaubnis erteilt bekommen oder ihnen diese entzogen wird. Ich fordere, dass diese Hürden bei der Integration endlich abgebaut werden." Für Taher Mirzei aus Afghanistan, der 2014 ins Berufsbildungswerk kam, ist alles gut gelaufen – ein Beispiel für gelungene Integration. Er hat seine Ausbildung zum Metallbauer erfolgreich abgeschlossen und ist seit Anfang März 2019 in Arbeit. „Ich hatte Glück", sagt er, „einigen meiner Freunde geht es anders, denen droht die Abschiebung, weil meine Heimat als sicheres Herkunftsland eingestuft wird, obwohl immer noch Krieg herrscht", so Taher, „dies macht allen enormen Stress, und erschwert das Lernen sehr. Alle Hoffnungen hier sicher leben zu können, werden zutiefst enttäuscht." Hier könne eine Petition helfen, meinte Kreisrat Richard Ziegelmeier. Er verwies weiter auf den kommunalen Integrationsplan, mit dem Strukturen geschaffen werden sollen, die eine Integration der geflüchteten Menschen ermögliche. Das Berufsbildungswerk leistet mit hohem Engagement und vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten einen wesentlichen Beitrag – darin waren sich die Gäste einig: „Wir haben sehr viel Interessantes erfahren und uns im Austausch mit den jungen Männern ein umfassendes Bild gemacht", so Erhard Grundl.

Text und Bild: Silvia Haumer