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„Die Kids sind unsere Lehrmeister.“

Augenblicke spontaner Freude tanzen, erspüren, verschenken

Das Festival für inklusiven Tanz findet zum dritten Mal in Regensburg im Theater der Universität statt. „Unpassend passt" ist der Titel für vier Stücke, die zutiefst menschliche Themen aufgreifen. Es geht darum, gesehen und angenommen zu werden so wie man ist.



Potenziale herauskitzeln
Wie schon in den Jahren zuvor zeichnet Wolfgang Maas als Choreograph und Tanzpädagoge auch 2018 verantwortlich für das Festival für inklusiven Tanz – an seiner Seite Physiotherapeutin Evi Federl, Logopädin Beate Gamsreiter und Ergotherapeutin Julia Glass aus der Bischof-Wittmann-Schule der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e. V.. Gemeinsam bringen sie begeisterte junge Tänzerinnen und Tänzer aus der Bischof-Wittmann-Schule und der OTH Regensburg auf die Bühne und verzahnen ihre Fachbereiche auf der Grundlage künstlerischer Vorgaben von Wolfgang Maas. Das inklusive Tanzprojekt der Bischof-Wittmann-Schule ist mit dem Stück „Anpassung" dabei, darüber hinaus die Herbstzeitlosen (Tanztheater Ü 50) mit „Passt schó!", die tanz_bar Bremen mit „Bonny und Clyde" sowie die Upside Down - Inklusive Dance-Company mit „Passen".

Bereits die Aufführungen „Live und in Farbe" und „Anders sein kann jeder" bei den Tanzfestivals 2016 und 2015 sorgten für ein volles Haus. Doch die Geschichte des inklusiven Tanzprojekts begann bereits im Jahre 2009. Evi Federl rief es für Schülerinnen und Schüler ihrer Schule ins Leben. Seitdem mit dabei: Wolfgang Maas, der schon immer davon überzeugt ist, dass er „die Potenziale, die in den Kindern und Jugendlichen stecken, nur herauskitzeln muss." Und wie ihm das gelungen ist! 2011 und 2013 machten die jungen Tänzerinnen und Tänzer aus der Bischof-Wittmann-Schule in der Engel-Gala im Velodrom von sich reden. Als inklusives Tanzprojekt angelegt, tanzten schon damals Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung zusammen. „Am Anfang war es natürlich eine Herausforderung", sagt Wolfgang Maas, „doch in den Kindern steckt so viel mehr und man darf sie auch fordern." Er werde immer wieder mit beglückenden Momenten belohnt, Momenten, in denen er sehen und spüren könne, wie die Kinder erstrahlen und mit welcher Hingabe sie tanzen. Wenn Wolfgang Maas manchmal zu viel von seinen Schützlingen erwartet, dann ist es gut, dass die Therapeutinnen unterstützen. Denn eine Besonderheit im inklusiven Tanzprojekt an der Bischof-Wittmann-Schule ist das Ineinandergreifen von Tanzpädagogik und therapeutischer Arbeit. „Wir sind ein tolles, eng miteinander arbeitendes Team", schildert Evi Federl ihre und die Arbeit ihrer Kolleginnen mit Wolfgang Maas.


Das therapeutische Auge sieht mit
„Ich sehe natürlich viel mit meinem ‚therapeutischen Auge‘ und bringe therapeutische Ansätze in den Tanz, weil wir damit zum Beispiel die Motorik und die Variabilität in den Bewegungen verbessern können", erklärt Evi Federl. In einem experimentellen und freien Umfeld gelingt es ihr und ihren Kolleginnen mit den Kindern und Jugendlichen große Fortschritte zu erzielen. „Manchmal erlebe ich, dass Aufgaben, die auf Grund einer speziellen Behinderung gar nicht funktionieren dürften, durch die Umleitung über den Tanz plötzlich möglich sind, dass wir sozusagen eine neue Straße geschaffen haben, auf der wir Therapeutinnen weiter aufbauen können." Evi Federl empfindet die Arbeit im Tanzprojekt als absolut bereichernd: „Das Wichtigste, das Schönste, was wir erleben dürfen, ist das Miteinander, der Respekt voreinander und die Freude daran, mit dem eigenen Körper gestalten zu können so wie er oder sie es eben vermag." Ganz klar ist Wolfgang Maas ein großes Vorbild für die Kinder. Das sieht auch Evi Federl so. „Sie wollen tanzen wie er. Sie lernen an seinem Modell. Gerade für unsere Jungs ist er ein wichtiges Vorbild. Das ist sehr schön."

Tanzgruppe ist hoch motiviert
Die Proben des inklusiven Tanzprojekts mit Jugendlichen aus der Bischof-Wittmann-Schule und Studierenden der OTH Regensburg laufen gut. Die letzten sind  immer sehr intensive und aufregende Proben. Wolfgang Maas freut sich schon auf das kommende Wochenende: „Ich denke, es wird gut laufen! Wir sind alle hoch motiviert. Ich bin schon sehr gespannt, wie das Publikum reagiert. Die Arbeit daran war auf jeden Fall fantastisch!" Warum man sich das alles unbedingt ansehen muss? Darauf gibt Evi Federl eine überzeugende Antwort: „Weil diese spontane Freude, die nur aus dem Augenblick kommt, unwahrscheinlich ansteckend ist. Darin sind unsere Kids große Lehrmeister für jeden."

Das Projekt wird unterstützt von: Private Spender, KJF Regensburg, Stadt Regensburg, Soroptimist International, Regensburger Kulturstiftung, Wir dabei Regensburg e. V., VR Bank Niederbayern Oberpfalz e.G., Sparda-Bank
Termine der Aufführungen im Theater der Universität Regensburg: Samstag, 13. Oktober um 19:30 Uhr; Sonntag, 14. Oktober um 16:00 Uhr.
Kartenvorverkauf: Bei der TOURIST INFORMATION im Alten Rathaus 12 Euro / 10 Euro ermäßigt, an der Abendkasse 12 Euro und 14 Euro

Text: Christine Allgeyer
Bild: Hanna Sachau