Gut mit sich selbst umgehen

Außergewöhnliche Zeiten machen vieles bewusst. Die Beratungsstelle der KJF in Eggenfelden stellt fest, dass viele Familien besonders gut auf sich achten.

Die Beratungsstellen für Kinder, Jugendliche und Eltern der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg sind seit Wochen besonders gefordert, weil sie in ihren Beratungsleistungen einiges umstellen mussten. Die meisten Angebote laufen online und sie laufen gut. Besonders erfreulich ist, dass sich viele Familien im Zusammensein neu entdecken und anders aufeinander achten.

Es gibt auch Schwierigkeiten in Familien nach dieser langen Quarantäne-Zeit. Elisabeth Deinhart, Sonja Gartenmeier und Susanne Spiegel berichten über Jugendliche, bei denen sich die Mediensucht stärker ausgebildet hat und zu aggressiverem Verhalten gegenüber Eltern führt. Alleinerziehende Eltern sind überfordert, Home-Office und gleichzeitige Kinderbetreuung kosten Kraft und Nerven.

Es gibt aber auch andere Erfahrungen, die Eltern, Kinder und Jugendliche den Pädagoginnen von der Beratungsstelle Eggenfelden berichten.

 

Familien sind richtig kreativ.

„Wir sind angenehm überrascht, wie kreativ Familien mit dieser außergewöhnlichen Situation umgehen. Hierzu ein kleiner Einblick: Familien achten trotz des Daheim-Seins auf ihr Äußeres und ihr Outfit, um sich nicht gehen zu lassen. Sie berichten von Aus- und Ruhezeiten, in denen sie sich zum Beispiel gemeinsam auf dem Balkon eine Tasse Tee oder Kaffee gönnen.

Dadurch, dass so viele Termine wegfallen, haben Familien mehr Zeit miteinander, die sie gut nutzen. Sie entdecken und finden sich neu. Gemeinsam kochen und die Mahlzeiten genießen – das bringt neue Qualität ins Familienleben. Gemeinschaftsspiele und Puzzles feiern Comeback und das Lesen, vor allem auch das Vorlesen, macht vielen große Freude.

Dass der Schuldruck einmal über längere Zeit wegfällt, wirkt auf manche Kinder und Jugendliche befreiend; sogar auf die Eltern, da sie die Zeit nutzen können, um in ihrem eigenen Tempo zu arbeiten. Viele haben die Zeit genutzt, um sich für die digitale Welt fitter zu machen.

 

Kinder und ihre Eltern entdecken das Miteinander neu.

Kinder im Klein- und Grundschulalter fahren richtig runter und genießen es, dass Mama und Papa einfach auch einmal zuhause sind. Und eine Mutter freut sich sehr, endlich einmal ‚Mama ohne Stress‘ sein zu dürfen.

Kleinigkeiten wie sich eine Frühlingsblume mitnehmen, die allen eine Freude bereitet, machen nahezu wunschlos glücklich. Viele nehmen sich selbst mehr in den Blick, meditieren, machen Yoga oder Work-out, treiben draußen Sport, unternehmen Familien-Radausflüge oder gehen einfach spazieren. Der Frühling ist hier ein positiver Verstärker.

Erkennen, was wirklich im Leben zählt

Sich Zeit lassen und Zeit lassen dürfen, den Tag selbst strukturieren macht deutlich, wie getrieben man sonst oft ist. So schwer diese Wochen und Monate sind, eines führen sie einem doch vor Augen: Was braucht man tatsächlich für ein zufriedenes, glückliches Leben? Was zählt und ist wirklich wichtig?

Weitere Infos unter: www.beratungsstelle-rottal-in.de

Text: Elisabeth Deinhart I Sonja Gartenmeier I Susanne Spiegel I Isolde Hilt
Bild: Isolde Hilt