Eltern mit einem früh- und risikogeborenen Kind wissen das Angebot zu schätzen.

„Wenn ein Kind geboren wird, ist die Freude groß. Wenn ein Kind allerdings zu früh geboren wird, mischen sich in die Freude oft Unsicherheit, Bestürzung und Furcht vor dem, was kommen könnte. Diese Gefühle sind umso ausgeprägter, je kleiner, zarter und zerbrechlicher das Frühchen ist." Professor Dr. Hugo Segerer, Chefarzt der Abteilung für Neugeborenen-Medizin an der Klinik St. Hedwig der Barmherzigen Brüder in Regensburg, hat solche für Eltern belastenden Situationen schon oft miterlebt. Wie wertvoll ist da das Angebot der Harl.e.kin-Nachsorge, das Eltern nach dem Klinikaufenthalt im häuslichen Umfeld unterstützt. Das Angebot wird gerne und oft angenommen.

Viele Ehrengäste freuten sich mit dem Harl.e.kin-Team!

„Vor fünf Jahren haben wir das Kooperationsprojekt in Trägerschaft der Katholischen Jugendfürsorge gemeinsam mit dem Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg Klinik St. Hedwig auf den Weg gebracht", so KJF-Direktor Michael Eibl beim Festakt zum Jubiläum im Donaueinkaufszentrum. Dort wird anlässlich des 5. Geburtstags von Harl.e.kin die Fotodokumentation von Walter Schels: Über|LEBEN von zu früh geborenen Kindern vom 24. März bis 5. April 2014 gezeigt. Die Ausstellung ist eine Leihgabe des Bundesverbands „Das früh geborene Kind" e. V. Walter Schels hat sich 2009 behutsam mit der sensiblen und problematischen Lebensphase von sieben viel zu früh geborenen Kindern auf einer Hamburger Intensivstation auseinandergesetzt. Entstanden sind ausdrucksstarke Portraits von kleinen Kämpfern, die alle vor der 28. Schwangerschaftswoche auf die Welt kamen. 2011 nahm der bekannte Fotograf die Kinder im Alter von zwei Jahren noch einmal in den Blick. Auf seinen Bildern begegnen einem kleine Persönlichkeiten, die eine besondere Kraft ausstrahlen.

Harl.e.kin erfolgreich etabliert

„Das Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg mit der Klinik St. Hedwig, die Interdisziplinäre Frühförderstelle des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums und das Kinderzentrum St. Martin der KJF kooperieren eng, damit die Familien die bestmögliche Unterstützung und Begleitung erhalten", führt KJF-Direktor Michael Eibl aus. Das Angebot wurde bedarfsorientiert entwickelt. „Die medizinischen Leistungen und spezialisierten Hilfeangebote sind darauf ausgerichtet, den Frühgeborenen bestmögliche Entwicklungschancen zu eröffnen. Wir freuen uns sehr, dass wir das Angebot gemeinsam mit Professor Dr. Hugo Segerer in der Klinik St. Hedwig so erfolgreich etabliert haben."

Die Entwicklung des Nachsorge-Angebots in Bayern

Bertin Abbenhues, der für Harl.e.kin zuständige Fachabteilungsleiter in der KJF, erinnert sich: „Die Initiative für Regensburg ging von der ehemaligen Leiterin der Frühförderstelle des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums, Marie-Luise Vergho, und Dipl. med. Angelika Aisch, der ärztlichen Leiterin des SPZ St. Martin, aus. Die fachlichen ‚Mütter und Väter‘ von Harl.e.kin stammen aus der Arbeitsstelle Frühförderung Bayern."

Dr. med. Sabine Höck entwickelte die Projektidee bereits vor 2003 während ihrer damaligen Tätigkeit als Elternberaterin am Harlachinger Krankenhaus. Sie erkannte, wie wichtig Vernetzung und Bereitstellung von Betreuungsangeboten für Familien mit einem früh- oder risikogeborenen Kind besonders in der Zeit nach dem Krankenhausaufenthalt sind. Gemeinsam mit Frau Dr. med. Renate Berger obliegt ihr heute die wissenschaftliche und fachliche Begleitung des Projekts.

Mittlerweile ist die Harl.e.kin-Nachsorge in allen Regierungsbezirken Bayerns erfolgreich vertreten. Sie wird zu 90 % durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration finanziert.

„Den Eltern das Gefühl geben, dass sie nicht alleine sind."

„Fast immer überstehen diese kleinen Menschen die ersten Wochen gut, auch wenn bisweilen ernste Probleme auftreten", berichtet Professor Dr. Hugo Segerer. Wenn die schwierigste Zeit auf der Intensivstation bewältigt ist, bleibe jedoch zuhause die Unsicherheit, ob Mama und Papa mit ihrem Kind alles richtig machen und ob mit ihrem Kind alles in Ordnung ist. Hier unterstützt Harl.e.kin die Familien. Kinderkrankenschwestern der Klinik St. Hedwig und Mitarbeiterinnen der Frühförderstelle besuchen die Eltern zuhause. „Sie bieten Gespräche an, kümmern sich gemeinsam mit den Eltern um das Kind, begleiten die Familie, so lange es Vater, Mutter und dem Kind gut tut", erklärt Segerer weiter. „Harl.e.kin ist aus unserem Bemühen, Frühgeborene rundum bestmöglich zu behandeln, zu betreuen und zu fördern, nicht mehr wegzudenken."

Das Harl.e.kin-Team unter der Leitung von Koordinatorin Angelina Ernst hat immer ein offenes Ohr für die Eltern. „Uns als Harl.e.kin-Team ist wichtig, dass sich die Eltern mit ihren Problemen nicht alleine fühlen. Wir möchten ihnen Sicherheit im Umgang mit ihrem Kind vermitteln und das Vertrauen in ihre elterlichen Kompetenzen stärken", so Angelina Ernst. Ganz besonders freut sich das Team über die zahlreichen positiven Rückmeldungen der Eltern: „Dank der liebevollen und fürsorglichen Beratung und Betreuung durch das Team der Harl.e.kin-Nachsorge konnten wir diese Situation sehr gut meistern", bedankten sich etwa Eltern von Zwillingen, die viel zu früh und klein geboren wurden.

Angelina Ernst ist dankbar für das so überaus engagierte Team. „Ich vertraue weiterhin auf die Unterstützung durch das Sozialministerium und die Partner der Harl.e.kin-Nachsorge Regensburg", meint Ernst, „und ich freue mich über die vielen großzügigen Spenden, die wir bislang erhalten haben." Eine besondere Unterstützerin hat Harl.e.kin außerdem in der Projektpatin Lilo Sillner, Geschäftsführerin der Labertaler Heil- und Mineralquellen, gefunden. Von Beginn an begleitet die zweifache Mutter das Team und dessen Arbeit mit Spenden und öffentlichkeitswirksamen Aktionen.

Für die Zukunft wünscht sich Angelina Ernst, dass die breite Öffentlichkeit noch mehr für die Problematik von Familien mit früh- und risikogeborenen Kindern sensibilisiert werden kann. Zum fünften Geburtstag zieht die Harl.e.kin-Nachsorge Resümee: In den vergangenen fünf Jahren wurden insgesamt 290 Familien mit 364 Kindern, davon 62 Zwillinge und sechs Drillinge, betreut und begleitet. Bei 1.600 Hausbesuchen hat das Harl.e.kin-Team 81.000 km zurückgelegt.

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Weiterführende Informationen zur Harl.e.kin-Nachsorge

In der Klinik versorgen Intensivschwestern und Ärzte die Frühchen rund um die Uhr. Sind die Eltern mit ihrem Baby nach dem Klinikaufenthalt zuhause, treten häufig Unsicherheiten und Ängste auf. Die Familien brauchen dann einfühlsame Menschen, die ihnen mit fachlichem Rat zur Seite stehen. Genau hier setzt die Harl.e.kin-Nachsorge für früh- und risikogeborene Kinder an. Mitarbeiterinnen des Mobilen Dienstes der Frühförderstelle der KJF und den Eltern vertraute Kinderkrankenschwestern der Klinik St. Hedwig besuchen die Familien. Ziel ist es, die kindliche Entwicklung bestmöglich zu unterstützen und die Elternkompetenz zu stärken. Das Harl.e.kin-Team hilft bei pflegerischen, entwicklungspsychologischen und sozialrechtlichen Fragestellungen weiter. Das niedrigschwellige Beratungsangebot ist für die Eltern kostenlos.

Text: Christine Allgeyer