Meditativer Impuls Juni 2019

Wirbelwind – nicht nur für junge Menschen

Foto: Georg Deisenrieder; bearbeitet von Christine Allgeyer

Die Jugendlichen gibt es nicht. Zu vielfältig sind ihre Einstellungen und Lebensweisen. Unübersehbar ist derzeit: Junge Menschen interessieren sich wieder mehr für gesellschaftliche und politische Fragen. Inmitten von Fortschrittsdenken und Digitalisierungsprozessen setzen sie mehr auf Nachhaltigkeit, ein Wert, den viele Mitbürgerinnen und Mitbürger der älteren Generation in weiten Teilen über Bord geworfen hat.

Da ist der Blick auf die europäische Gemeinschaft, ohne die ein friedliches Zusammenleben zwischen den Nationen nicht zu schaffen wäre. Beim großen Referendum in Großbritannien vor drei Jahren war es überwiegend die ältere Generation, die für den Austritt aus der EU stimmte. Dass auch junge Menschen Lebensperspektiven brauchen, hatten sie nicht im Blick. Kein Wunder, dass diese sich abgehängt fühlen.

Auch in Sachen Klimawandel trauen die jungen Menschen den älteren nicht mehr. Mit der Schülerin Greta Thunberg gehen sie jeden Freitag auf die Straßen und protestieren gegen ein „Immer-weiter-so". Innerhalb kurzer Zeit ist eine Protestbewegung entstanden, die inzwischen den ganzen Erdball erreicht hat.

Dass junge Menschen Zukunftsaussichten brauchen, weiß auch Papst Franziskus. Er selbst hat die wachrüttelnde Umweltenzyklika „Laudato si" im Vorfeld des Pariser Klimaabkommens veröffentlicht. So war es auch ein beeindruckendes, generationenübergreifendes Zeichen, als sich im vergangenen April das 82-jährige Kirchenoberhaupt mit der jungen Klimaaktivistin aus Schweden traf und ihr für das mutige Engagement dankte.

Und die Bewegungen und Strömungen in der Kirche? Wieder sei an Papst Franziskus erinnert, der im Jahr 2013 den Jugendlichen in Rio de Janeiro zurief: "Ich will, dass ihr auch in den Diözesen Wirbel macht, ich will, dass man hinausgeht, ich will, dass die Kirche auf die Straßen geht, ich will, dass wir standhalten gegen alle Weltlichkeit, Unbeweglichkeit, Bequemlichkeit, gegen den Klerikalismus und alles In-sich-verschlossen-Sein."

Wird es ein neues Pfingsten, einen neuen Aufbruch geben? Wird der Wirbelwind des Geistes, sein Sturm und sein Brausen, sein Feuer die Kirche und mit ihr auch unsere Katholische Jugendfürsorge neu erfüllen und beleben? Auch wir haben zu tun mit jungen Menschen, die sich nicht selten abgehängt fühlen. Werden sie einen Weg finden im Widerstreit der gesellschaftlichen, politischen und kirchlichen Meinungen? In der pädagogischen Begleitung von Kindern, Jugendlichen und Menschen mit Behinderung benötigen wir Klarheit, das rechte Erkennen, was langfristig zum Guten führt. Reden, Wissensaustausch und Diskutieren allein reichen dabei nicht aus. Es braucht mehr:

Bis auf die biblische Zeit geht die Pfingstnovene zurück. In den neun Tagen zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten sind wir in besonderer Weise eingeladen, um das Kommen des Heiligen Geistes zu beten. Jesus sagt: „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe." (Joh 14,26)

Gottes Geist ist es auch, der uns die Zeichen dieser Zeit in rechter Weise erkennen lässt. Wir dürfen sie deuten, um zusammen mit jungen Menschen realisierbare und nachhaltige Wege in eine gelingende Zukunft zu gehen.

Georg Deisenrieder
Pastoralreferent