Meditativer Impuls Mai 2019

Glaube bewährt sich im Alltag

Foto: Blick von Dalmanuta auf den See Gennesaret (Brigitte Wieder)

Er ist eindeutig der berühmteste der Apostel. Dieser Simon wird von Jesus gleich bei der ersten Begegnung „Kephas", also Fels, Petrus, genannt (vgl. Joh 1,42) und er nimmt in der Weitergabe der Botschaft Jesu die zentrale Rolle unter den Jüngern ein; er ist der mit den Schlüsseln für das Himmelreich.

Entscheidend für sein Leben war sicher, als aus dem Mitgehen mit Jesus und dem Miterleben der Worte und Taten Jesu sein persönlicher Glaube an den Auferstandenen – den Sohn Gottes – wachsen, sich formen und dann bewähren musste. Damals, am Ostermorgen in Jerusalem, erfahren Petrus und die anderen Jünger von der Auferstehung ihres Herrn. Am Abend des Auferstehungstages und acht Tage später erscheint Jesus dann den versammelten Jüngern selbst (vgl. Joh 20,15-27).

Danach treffen wir Petrus wieder am See Gennesaret (vgl. Joh 21,1-14). Was machen Petrus und die anderen Jünger da, weit von Jerusalem entfernt? Sie sind wohl nicht aus Angst dorthin geflohen, denn der Auferstandene war ihnen ja bereits mehrfach erschienen und hatte ihnen auch den Heiligen Geist zugesprochen (vgl. Joh 20,22). Sie wussten somit, dass seine Botschaft nicht am Ende war.

Ja, Petrus und die anderen Jünger wollten zurück in ihre Heimat, zu ihren Familien. Ich denke sie wollten ihr alltägliches Leben wieder haben, bereichert aber um all die Erfahrungen, die sie mit Jesus gemacht hatten. Und dabei taten sie etwas ganz Logisches und Normales: Sie lebten ihr Leben und testeten letztlich so, ob ihr Glaube an Jesus auch wirklich tragfähig war.

Denn nur wenn der Glaube an Jesus den Alltag überlebt und die Nachfolge Jesu im täglichen Leben Sinn macht und Hoffnung stiftet, erweist sich dieser Glaube als stark genug um auch weiter machen zu können und dann Jesus Christus, den gekreuzigten und auferstandenen Herrn, anderen Menschen zu verkünden.

Und wir wissen es: Das Osterfest und die Begegnungen mit dem Auferstandenen sind nicht spurlos an Petrus vorbeigegangen. Sein Glaube hat sich bewährt. So wird von Petrus überliefert, er habe Menschen geheilt, sogar eine Tote auferweckt (vgl. Apg 9,40) und ist schließlich in Rom den Märtyrertod gestorben (wie die Kirchenväter berichten).

Was hat das vergangene Osterfest bei uns bewirkt? Wir alle sind nach Ostern wieder zur Tagesordnung übergegangen; der Alltag hat uns wieder. Und das ist gut so, denn genau im Alltäglichen muss sich unser Glaube bewähren und beweisen. Unser Glaube muss stark und hoffnungsvoll genug sein um Enttäuschungen, Krankheiten, Verletzungen, Brüche und selbst den Tod in unserem Leben aushalten zu können.

Denn Auferstehung ist nicht nur etwas für Ostern, Sonn- und Feiertage. Auferstehung ist für den Alltag, für jeden Tag unseres Lebens.

Text und Bild: Brigitte Wieder, Gemeindereferentin
Leiterin der Fachstelle Pastoral im Sonderpädagogischen Zentrum Abensberg-Offenstetten