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Immer mehr junge Menschen in der stationären Erziehungshilfe

Experten sehen Handlungsbedarf bei "Systemsprengern"

München, 22.01.2019 - Immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland benötigen Unterstützung durch Hilfen zur Erziehung. So haben sich die Fallzahlen in der Jugendhilfe in den letzten 17 Jahren mehr als verdreifacht, aktuell sind über 1.000.000 junge Menschen unter 20 Jahren auf Unterstützung durch Erziehungsberatung, ambulante und (teil-) stationäre Angebote angewiesen.

Bild v.li.: LvkE-Geschäftsführerin Petra Rummel, LvkE-Vorsitzender Michael Eibl, MdL Thomas Huber, MdL Doris Rauscher, 2. stvtr. LvkE-Vorsitzender Joachim Nunner, Kinder- und Jugendhaus Stapf Nürnberg, 1. stvtr. LvkE-Vorsitzender Markus Mayer, Direktor KJF Augsburg.

Besonders die stationären Hilfen zur Erziehung und Eingliederungshilfen, sehen sich mit komplexen Problemstellungen der Kinder und Jugendlichen bei Gewalt, selbstverletzenden Verhalten, Suizidgefährdung etc. konfrontiert.  Erschwert wird dieser Umstand durch die Tatsache, dass von diesen jungen Menschen immer mehr auf zusätzliche kinder- und jugendpsychiatrische Behandlung angewiesen sind. „In den öffentlichen Diskussionen wird hier gerne von "Systemsprengern" gesprochen.  Wir bezeichnen sie treffender als "Kinder und Jugendliche mit besonders herausfordernden Verhaltensweisen" und sehen uns gefordert, Lösungen zu entwickeln", so Michael Eibl, Vorsitzender des Landesverbands katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen (LVkE) e.V.

Mit diesen Begriffen wird eine Hochrisikoklientel bezeichnet, welche in den vorhandenen Hilfesystemen, Bildungsinstitutionen und der Gesellschaft kaum Platz findet und durch schwierige Verhaltensweisen massiv negativ auffällt. „Dabei sprengen sie nicht das System, weil sie nicht aushaltbar sind, sondern weil wir in den Systemen nicht kreativ genug sind", so Dr. Norbert Beck, als Einrichtungsleiter des Therapeutischen Heims St. Joseph im ÜBBZ Würzburg bestens vertraut mit der schwierigen Materie, beim Neujahrsbrunch des LVkE e.V.

Im Rahmen dieser Veranstaltung, die im Adelgundenheim München stattfand, boten die Experten bei einem Gespräch mit Abgeordneten des Landtages fundierte Analysen. Neben Teilnehmern aus den Reihen des Landesverbandes diskutierten auch MdL Doris Rauscher (SPD) und MdL Thomas Huber (CSU) über entsprechende Problembereiche und Lösungsansätze.   
 
MdL Huber, Sozialpolitischer Sprecher der CSU und stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit und Soziales, Jugend und Familie, sah angesichts dieser herausfordernden Klientel die politischen Entscheidungsträger in der Mitverantwortung und regte an, nicht nur die Symptome zu bekämpfen. „Was kann die Politik wirklich tun, um den Ursachen wirkungsvoll zu begegnen?", fragte er in diesem Kontext.
„Die Erkenntnisse liegen und vor und wir müssen so ausbauen, dass die Kinder und Jugendlichen bestmöglich versorgt werden. Da spielen natürlich Geld und qualifizierte Fachkräfte eine große Rolle", resümierte MdL Rauscher, Vorsitzende des Ausschusses Arbeit und Soziales, Jugend und Familie.  
 
So herrschte letztlich Einigkeit darüber, dass "Systemsprenger" nicht von der Gesellschaft aufgegeben werden dürfen, sondern durch geeignete und qualifizierte Maßnahmen, auch über fachliche Grenzen hinweg, bestmögliche Unterstützung erhalten sollen.  „Wir müssen mehr systemisch denken - nicht abgrenzend, sondern übergreifend und präventiv ansetzen", schloss der LVkE-Vorsitzende Michael Eibl diesen spannenden Fachdiskurs ab.
 
Der LVkE e.V. nimmt bayernweit die Aufgaben des Fachverbands für die Erziehungshilfe in katholischer Trägerschaft wahr. Zusammen mit seinen 151 Mitgliedseinrichtungen setzt er sich für sozial benachteiligte Kinder, Jugendliche und ihre Familien in unserer Gesellschaft ein, um ihnen im Sinne von Solidarität und Teilhabegerechtigkeit bestmögliche Unterstützung zukommen zu lassen. Dafür versorgt er Fachwelt und Politik mit wissenschaftlich fundierten Impulsen und praktischen Lösungsansätzen.

Download: Thesenpapier zur Entwicklung von Handlungsstrategien im Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit besonders herausfordernden Verhaltensweisen in der Stationären Hilfe zur Erziehung / Eingliederungshilfe in stationärer Form"

Landesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfe in Bayern e.V. (LVkE) Lessingstr.1 | 80336 München |  Tel.: 089-54497-149 | Fax: 089-5328028 |  E-Mail: info.lvke@caritas-bayern.de | www.lvke.de |