Wir sind St. Klara!

Das inklusive Wohnprojekt feiert seinen ersten Geburtstag.

St. Klara ist seit nun einem Jahr ein richtiges Glanzstück in der Altstadt Regensburgs. Hier spielt das selbstverständliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung eine wichtige Rolle, ebenso wie die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Eine stationäre und eine ambulante Wohngruppe für Menschen mit körperlicher Behinderung sowie sechs Appartements für junge Mütter mit Kindern sind in dem inklusiven Wohnkonzept vereinigt. Seit Anfang März 2015 hat auch die Erziehungsberatungsstelle der KJF in St. Klara ihr neues Zuhause. „Die KJF möchte zusätzlich zur schulischen und beruflichen Bildung und Arbeit auch im Bereich Wohnen immer mehr inklusive Angebote verwirklichen. St. Klara ist ein tolles Beispiel dafür, wie gut das inklusive Zusammenleben funktionieren kann, " so KJF-Direktor Michael Eibl.

Freiheit benötigt Strukturen

„Das letzte Jahr war für uns alle sehr intensiv", berichtet Bereichsleiterin Veronika Huber. „ Ich habe nichts vorgegeben, wir haben alle gemeinsam an notwendigen Strukturen gearbeitet. Jeder hat seinen Aufgabenbereich." Wer geht wann einkaufen? Wer kocht? Wer macht die Wäsche? Wer kann mir helfen? Fragen über Fragen, die es zu organisieren gilt. „Es kam schon mal vor, dass der Kühlschrank kurz leer war oder der ein oder andere vergessen hatte Wäsche zu machen, " erinnern sich die Bewohner lachend. Aber das gehört eben zum Erwachsen werden dazu – die lang ersehnte Freiheit und Selbstständigkeit und die Pflichten die dazugehören. Mittlerweile läuft es ziemlich rund in St. Klara. Die Bewohnerinnen und Bewohner lernen jeden Tag dazu ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen. Einrichtungsleiter Peter Weiß ist sichtlich stolz auf sein Team „ Alle sind hoch motiviert, verlässlich und meistens auch noch sehr gut gelaunt – es macht mich richtig stolz zu sehen wie diese anspruchsvolle Arbeit mit Fachkompetenz und Herz gemeistert wird."

…und Ehrenamtliche

Die Lage in der Altstadt Regensburgs macht St. Klara zu einem perfekten Ausgangspunkt für Unternehmungen. Im Laufe des Jahres lernten die jungen Erwachsenen sich zu organisieren: Wie komme ich in die Stadt? Welche Kneipe, welcher Biergarten ist barrierefrei? Das Freizeitangebot ist groß in Regensburg: ob Dult, Jazzweekend, Bürgerfest oder die fürstlichen Festspiele.

„Wir versuchen alles möglich zu machen, doch leider fehlen uns oft ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die auch mit anpacken", so Veronika Huber. Unsere jungen Erwachsenen sind top motiviert, auch für abendliche Weggehaktionen. Es wäre toll, wenn sich freiwillige Helferinnen und Helfer melden!" Mehr als verständlich, wenn man sich an die eigene Jugendzeit erinnert.

Balanceakt – Spaß inklusive

„Die Herausforderung bei uns besteht darin, dass wir ähnliche Strukturen wie eine Einrichtung brauchen, aber doch privat sind. Die Bewohner sollen sich hier nach der Arbeit gut entspannen und entfalten können, " berichtet Einrichtungsleiter Peter Weiß. So ist jeder Tag ein organisatorisches Meisterstück. Wer braucht wann, wo, welche Unterstützung? Welche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen gerade zur Verfügung? Wann kann wer Urlaub nehmen und braucht damit auch intensivere Unterstützung? Zusätzlich macht allen auch der Mangel an Fachkräften Sorge. Besonders der Schichtdienst schreckt Bewerberinnen und Bewerber ab, die dringend gesucht werden. „Der Job ist herausfordernd, keine Frage. Aber wir machen das einfach gerne für unsere Bewohnerinnen und Bewohner und sind ein Team. Wir arbeiten und organisieren zusammen und lachen zusammen – wir sind einfach St. Klara, " so Bereichsleiterin Veronika Huber.

Gemeinsam zuhause

Die große Wohnküche im St. Klara lädt zum gemeinsamen Kochen und Essen ein. Und doch hat jeder sein eigenes Zimmer um sich nach der Arbeit entspannen zu können. „Die Zimmer sind toll, wir durften alles selbst aussuchen und gestalten. Meinen Schrank hat sogar ein befreundeter Schreiner für mich gebaut, " schwärmt ein Mitbewohner. Alle erinnern sich gerne an die Einweihungsfeier mit Freunden und Nachbarn und an das erste Osterfest: „ Als ich dekorieren wollte, haben mich im ersten Jahr alle mit großen Augen angeschaut – dieses Jahr haben sich alle von ganz allein richtig viel Mühe gegeben", stellt Bereichsleiterin Veronika Huber lachend fest. „Ich bin jetzt schon auf unser zweites Weihnachtsfest gespannt."

 

Text und Bild: Olga Baranowska