« Zurück

Meditativer Impuls November 2017

Heimrecht für Jesus

„Heimrecht", wer sich für Fußballberichterstattungen interessiert, kennt diesen Begriff. Die Mannschaft in deren Stadion gespielt wird hat das Heimrecht. Es gibt dieses Recht sogar, wenn keine Mannschaft ein Heimspiel hat, also wenn das Spiel auf neutralem Boden ausgetragen wird. Dann bedeutet es: eine Mannschaft hat das Recht das Heimtrikot zu tragen, die Gastgeberkabine zu benutzen und im Stadion den Block für die Fans so zu wählen, dass er der Position im Heimatstadion entspricht.

Dieser Begriff „Heimrecht" ist mir bei der Suche nach einem Text für den Totenmonat November in einem Gedicht von Walter Flex (1887 – 1917) begegnet:

„Gebt Euren Toten Heimrecht,
Ihr Lebendigen,
dass wir unter Euch wohnen und weilen dürfen
in hellen und dunklen Stunden.
Weint uns nicht nach,
dass jeder Freund sich scheuen muss,
von uns zu reden!
Macht, dass die Freunde ein Herz fassen,
von uns zu plaudern und zu lachen!
Gebt uns Heimrecht,
wie wir´s im Leben genossen haben."

 

Heimrecht für unsere Verstorbenen, ein schöner Gedanke. Unsere Verstorbenen sollen in unserem Leben ihren festen Platz haben. Sie sollen eingebunden sein in unseren Tages- und Jahreslauf, bei uns beheimatet bleiben, auch wenn wir sie nicht mehr sehen können.

Wenn wir unseren lieben Verstorbenen Heimrecht gewähren, dann sind wir damit in sehr guter, biblischer Gesellschaft. Die Jünger haben Jesus nach seinem Tod und seiner Auferstehung nämlich auch Heimrecht gegeben. Sie haben die Erinnerung an ihn wach gehalten. Sie haben das was er ihnen aufgetragen hatte in ihren Alltag übernommen, weitergeführt und haben versucht nach seinen Worten zu leben. Ja, die Freunde Jesu haben sogar viele Worte und Taten Jesu erst nach seiner Auferstehung – aus der Erinnerung heraus –verstehen und deuten können.

Wenn wir heute im Evangelium lesen, dann ist alles überlegt formuliert, mit Zitaten aus dem Alten Testament untermauert und aus dem Blickwinkel der Auferstehung Jesu verfasst. Aber wie die Jünger damals müssen auch wir Christen heute diese aufgeschriebene Erinnerung an Jesus lebendig halten und seine Worte und Taten immer wieder neu in unser Leben mit hinein nehmen. Wenn wir Jesus die Gelegenheit geben, sich in unserem Alltag zu verwurzeln, dann geben wir ihm Heimrecht in unserem Leben. Und ich bin fest davon überzeugt, dass er sich dann nicht einen Tribünenplatz aussuchen wird, sondern mit uns mitten auf dem Spielfeld des Lebens stehen will.

Text und Bild: Brigitte Wieder, Gemeindereferentin
Leiterin der Fachstelle Pastoral im Sonderpädagogischen Zentrum Abensberg-Offenstetten