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Meditativer Impuls Mai 2017

Verwandlung statt Veränderung

Stehen Veränderungen ins Haus, fordert das Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter heraus. Was den einen anspornt, verunsichert den anderen. Der nächste reagiert vielleicht zurückhaltend oder gar ablehnend. Sogar Menschen, die von ihrem Wesen her durchaus offen für neue Wege sind und nicht krampfhaft an überholten Vergangenheiten und verstaubten Traditionen hängen, können sich mit Veränderungen schwer tun. Warum gibt es Widerstände bei Veränderungssprozessen? Warum stoßen selbst vielversprechende Change-Management-Strategien an ihre Grenzen?

Ein wesentlicher Grund ist sicherlich, wenn Veränderungsprozesse mit zweifelhaften Botschaften begleitet werden wie: „Dies war falsch – jetzt machen wir es besser." oder: „Dies dauerte zu lange – damit kommen wir schneller und ohne Umwege zum Ziel." So beinhalten sie die Abwertung des Bisherigen und signalisieren bei den Adressaten: „Ich war nicht gut, ich bin ungeeignet, ich muss anders werden."

Die durchgehende christliche Botschaft heißt nicht „Veränderung", sondern „Verwandlung", denken wir an die Verwandlung von Wasser in Wein in der Hochzeit von Kana oder an unsere eigene Verwandlung in der Taufe oder Eucharistie. Das größte Fest der Verwandlung ist Ostern. In der Auferstehung wandelt sich der Tod in das Leben, die Finsternis ins Licht, das kalte Schweigen in das durchwärmende Lied des „Alleluja". Die uralten Worte „Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt" (Ps 30,12) sind keine Phrasen von damals, sondern werden im österlichen Glauben konkret.

Alles wirkliche Leben entsteht durch Wandlungsprozesse – auch in Kirche und Gesellschaft. Wer sich nicht wandelt, der erstarrt innerlich. Wie aber gelingt Wandlung? Die Natur im Frühling lebt uns vor, was Verwandlung meint: Die Knospen treiben aus und fangen an zu blühen. An Sträuchern und Bäumen setzen die ersten Früchte an. Die meisten Prozesse in der Natur geschehen organisch, von innen heraus, alles zu seiner Zeit. Da wird keiner Blume etwas übergestülpt oder aufgesetzt und kein Strauch versetzt, zumindest nicht ohne seine ihm vertraute Erde. In der Tierwelt wird dies besonders deutlich, wenn sich die Schmetterlingsraupe erstmals zurückzieht und verpuppt, bis sie schlüpft und als farbenfroher Prachtfalter ihre Flügel ausbreiten kann.

Verwandlung ist nicht aggressiv. Sie verändert nichts am Wesentlichen und lässt Zeit für die wachsende Kraft, um innenschlummernde Potentiale zu entfalten und sichtbar zu machen. Die für unsere Einrichtungen und Dienste so notwendigen Entwicklungsprozesse werden umso wirkungsvoller  sein, je mehr das Gute der bisher geleisteten Arbeit gewürdigt wird, die fachlichen, personellen, finanziellen und zeitlichen Ressourcen in den Blick genommen und alles vor Gott da sein darf – vor ihm, der niemals das Leben nimmt, sondern es immer aufs Neue verwandelt.

Georg Deisenrieder
Pastoralreferent

nach einem Impulsvortrag von Anselm Grün „Aus inneren Quellen leben", gehalten vor Caritasmitarbeiter/innen im Bistum Würzburg am 18.11.2016, Siehe auch unter: http://www.vinzenz-wuerzburg.de/aktuelles/18-11-2016/das-grosse-ganze-der-caritas/