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Meditativer Impuls Januar 2018

Sich anschauen lassen – Ansehen schenken

Das neue Jahr 2018 ist angebrochen. Wir nehmen einen neuen Kalender in Gebrauch. Einige Termine sind schon eingetragen. Doch gibt es noch viele freie und unbeschriebene Tage. Wie der Kalender in einem Jahr aussehen wird, wenn er abgegriffen und vollgeschrieben ist, das wissen wir nicht. In diesen offenen Ausblick hinein tut es gut, unsere Glückwünsche zum Neuen Jahr mit einem Segen zu verbinden.

Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten…
Der Herr wende sein Angesicht dir zu:

Kann es für den Menschen etwas Größeres geben, als beachtet und angeschaut zu werden? Gibt es einen größeren Genuss als Ansehen zu haben? Wir neigen dazu, das Ansehen unserer Mitmenschen von Leistung, Erfolg und Auszeichnungen abhängig zu machen. Menschen, die wir in der Katholischen Jugendfürsorge begleiten, können da oftmals nicht mehr mithalten. Bei Gott ist das anders: Er schaut auf jeden Menschen, schenkt ihm Würde und Ansehen, auch jenem,

  • der meint, sein Gesicht verloren zu haben
  • der sich schämt und anderen nicht in die Augen sehen kann
  • dem die Wahrheit wie ein nasses Tuch um den Kopf geschlagen wurde
  • der nach menschlichen Maßstäben nichts mehr leisten und erarbeiten kann
  • der untergetaucht oder auf die schiefe Bahn geraten ist
  • der wegen vieler Tränen sein Gesicht verbirgt

Der Neujahrssegen möchte uns Mut machen und Vertrauen schenken. Er will uns sagen: Bevor wir in Blickkontakt zu den Menschen neben uns treten, kam Gottes liebender Blick uns zuvor. Das stärkt, richtet auf und lässt uns voll Vertrauen ins neue Jahr gehen.

Nach Gedanken von Bischof Rudolf Voderholzer, „Gottes Ansehen genießen", in: Und das Wort ist Fleisch geworden…, Gedanken zur Advents- und Weihnachtszeit, 2016, S. 91-94.

Georg Deisenrieder
Pastoralreferent