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Meditativer Impuls Februar 2018

Den ökumenischen Blick weiten – Begegnungen mit der Ostkirche

Auf weitem ökumenischem Feld

Wenn wir in unseren Breiten an die christliche Ökumene denken, stehen zunächst die Begegnungen und der Austausch zwischen Katholiken und Protestanten im Fokus. Das ist nicht verwunderlich, ist doch Deutschland das Land der Reformation. So dominieren bei im Rundfunk und Fernsehen übertragenen Gottesdiensten und Andachten mit einer Selbstverständlichkeit katholische und evangelische Feiern.

In der Katholischen Jugendfürsorge haben wir es zunehmend mit Kindern, Jugendlichen und Menschen mit Behinderung zu tun, die aus östlichen Ländern zu uns kommen. Manchmal haben sie ihre familiären Wurzeln im Verbreitungsgebiet der russisch-orthodoxen und griechisch-orthodoxen Kirche. Unter den jungen Flüchtlingen, die bei uns wohnen oder zur Beratung ins Referat für Migration und Integration kommen, finden wir nicht selten auch Mitglieder orientalischen Kirchen. In unseren Wohngruppen gehen auch eriträisch-orthodoxe, äthiopisch-orthodoxe und syrisch-orthodoxe Christen ein und aus. In der religiösen Einordnung gelten sie für uns als „Christen". Konkret wird es in unseren stationären KJF-Einrichtungen dann, wenn es um die Feier des jeweiligen Kirchenjahres geht.

In der Pädagogik müssen wir auch die unterschiedlichen Fastenpraktiken im Auge behalten. Manchmal sind sie bei den orientalischen Christen sogar noch strenger als bei Muslimen während des Ramadans. Für unsere orthodoxen Schülerinnen und Schüler, die als Säuglinge zusammen mit der Taufe bereits die heilige Kommunion und Firmung empfangen haben, muss es sicherlich interessant sein zu sehen, wie sich die katholischen Kinder auf die Erstkommunion vorbereiten.

Bei ehrlicher Betrachtung unserer caritativ-sozialen Arbeit müssen wir jedoch auch eingestehen, dass wir bezüglich Glaube und Liturgie unserer orthodoxen Mitchristen nur wenig Ahnung haben. Und dies, obwohl sich Katholiken und Orthodoxe beim theologischen Sakramentenverständnis schon immer sehr nahe sind.

Wer ein wenig in den liturgischen Kosmos der Orthodoxie eintauchen wollte, konnte dies kürzlich in der Kirche St. Matthias, die zu unserem Haus St. Klara in der Regensburger Ostengasse gehört, tun. Dort gab es ein großes Fest der rumänisch-orthodoxen Gemeinde: Metropolit Serafim Joantă, zuständig für Deutschland, Luxemburg, Österreich sowie die nordeuropäischen Länder, weihte einen jungen Mann, Sohn eines orthodoxen Priesters, zum Diakon, zwei weitere Männer zu Subdiakonen. Fundament war die „Göttliche Liturgie des heiligen Johannes Chrysostomos", überwiegend in rumänischer Sprache. Die Feier war geprägt von Prozessionen, von Chor und Gemeinde abwechselnden Gesängen, viel Weihrauch. Sie dauerte mehrere Stunden und am Ende war die St. Matthias-Kirche übervoll. Beeindruckend war die Teilnahme vieler Kinder, die mit Kerzen in den Händen zur Kommunion gingen. Am Ende des Gottesdienstes wurden den Gläubigen körbeweise Eulogienbrote gereicht. Anschließend gab es ein großes Essen mit mitgebrachten Speisen und selbst angebautem Wein aus Rumänien in der Galeria St. Klara. Metropolit Serafim besuchte noch unser Haus St. Klara. Gerne erinnerte er sich zurück an seine dort verbrachte mehrjährige Studienzeit, als es noch Ostkirchliches Institut war.

Schon gewusst? Rumänisch-orthodoxe Gemeinden finden wir in unserem Bistumsgebiet auch in Straubing, Cham, Landshut und Amberg. Wenn wir die Vielzahl der christlich-orthodoxen Kirchen über die rumänisch-orthodoxe Gemeinden hinaus betrachten, wird wieder einmal klar, wie unendlich weit das ökumenische Feld ist, auf dem der Same Gottes heute aufgeht, wächst und gedeiht.

Georg Deisenrieder
Pastoralreferent