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Meditativer Impuls Februar 2017

Zur  Verabschiedung von Prof. Dr. Martin Lechner

Kaum ein anderer Theologe hat die Landschaft der Jugendpastoral im deutschen Raum nachhaltiger beeinflusst als Prof. Dr. Martin Lechner. Ausgehend vom Leitgedanken der diakonischen Pastoral waren seine Forschungen und Projekte auch für unsere KJF richtungsweisend.

Liebe in der sozialen Arbeit neu erfinden

Im Rahmen einer großen Feierstunde im Kloster Benediktbeuern wurde Martin Lechner jetzt am 31. Januar 2017 mit vielen Würdigungen in den Ruhestand verabschiedet. Sein Abschiedsvortrag lautete: „Schenke mir, Gott, ein fühlendes Herz! – Gedanken zum Stellenwert der Liebe in der sozialen Arbeit und Seelsorge." Darin bedauerte Lechner, dass das Wort „Liebe" mit zunehmender Professionalisierung aus der Pädagogik eliminiert worden sei. Es gäbe ein Expertentum ohne „Liebe". Dafür hätten betriebswirtschaftliche Begriffe wie „Produkt", „Kundenorientierung", „Marketingeffizienzkontrolle" an Stelle von „Liebe" Einzug in die soziale Arbeit gehalten. Bei der Frage, ob man heute noch von „Liebe" reden könne, verwies Lechner auf den Buchklassiker Erich Fromms „Die Kunst des Liebens" und die neueren Ausführungen des Philosophen Wilhelm Schmid: „Die Liebe neu erfinden: Von der Lebenskunst im Umgang mit dem Anderen".

Vier Dimensionen der Liebe

Lechner führt die vier Dimensionen der Liebe in der sozialen Arbeit auf. Die körperliche Dimension: Sie schließt die nötige distanzierte Nähe ein und korrespondiert mit der seelischen Dimension. Die dritte Dimension, die geistige, ermöglicht es, Zwischenmenschliches in Worte zu fassen und Empfindungen auszutauschen. Die spirituelle bzw. transzendente Dimension sei dort festzumachen, wo der Anblick des Anderen und das Unterwegssein mit dem Anderen auf einen Dritten verweist – auf Gott selbst, der die Liebe ist (1. Joh 4,16). Liebe ist zuerst das Geschenk Gottes an den Menschen. „Liebe kann geboten werden, weil sie zuerst geschenkt ist" (Benedikt XVI, Deus caritas est, 14). Eine fachlich qualifizierte Sozialarbeit werde durch die Liebe „gottverdächtig". Man könne auch sagen: Liebe ist die sakramentale Seele sozialer Arbeit.

Martin Lechner und die KJF im Bistum Regensburg

In Anlehnung an Martin Lechner gilt für unsere Katholische JugendfürSORGE: Erst die Hinwendung zum Nächsten, wenn sie von Dauer sein soll, macht Liebe zur Sorge. Doch wird vor einer Selbstaufgabe gewarnt: Liebe heiße, „am Glück des anderen seine Freude finden" (Wilhelm Leibnitz). Es gehe immer um beide Subjekte: den Geliebten und den Liebenden. In dieser Haltung und mit diesem Grundansatz begleitete Lechner in unserem Bistum Regensburg den zweijährigen Entstehungsprozess zur Entwicklung der „Orientierungspunkte für Jugendpastoral lebe! IN FÜLLE", veröffentlicht im Jahr 2012. KJF-Direktor Michael Eibl sowie die beiden Abteilungsleiter Bertin Abbenhues und Robert Gruber beteiligten sich engagiert bei den Tagungen. Fazit: Partizipation, Kooperation und Inklusion sollen keine Fremdwörter mehr bleiben, sondern jungen Menschen helfen, ihren Alltag gestalten zu können, im Miteinander Sinn zu finden und die Sehnsucht nach dem Unendlichen zu wecken – nach Gott selbst, der in seinem Sohn Jesus spricht: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben" (Joh 10,10). DANKE an Prof. Martin Lechner für die wertvollen Gedanken und Impulse, die die Pastoral in der KJF maßgeblich mitprägten!

Georg Deisenrieder    
Pastoralreferent