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Meditativer Impuls Demzember 2017

In diesem Jahr dauert der Advent nur drei Wochen. Das hat einige Veranstalter dazu bewegt, die Christkindlmärkte bereits Mitte November beginnen zu lassen. Die Resonanz zeigt, dass viele Menschen sich nach dieser von Sinnen geschwängerten Zeit sehnen.

So wollen auch wir unsere Sinne öffnen und in die Christkindlmärkte hineinschauen. Dort ist Hochzeit der Wohlgerüche angesagt: Überall riecht es nach gebrannten Mandeln, gebratenen Würsteln, Glühwein zwischen Bienenwachskerzen – und Tannenduft.

Die Augen beginnen zu staunen, wenn zur Abenddämmerung die vielen warmleuchtenden Lichter die Gassen der Städte erhellen und das Rauschgold der Engel in den Fenstern zu glänzen beginnt.

Advent rührt auch die Tastsinne an, wenn das Leben wieder einen Schritt zurückgeht zur natürlichen Einfachheit: Die einen fühlen sich heimelig wohl an den rauen Brettern der Holzbuden, andere kneten mit ihren Händen den Teig und stechen allerhand Formen von Plätzchen aus, wieder andere zaubern aus grünen Zweigen einen Advents- oder Türkranz.

Eine besonders sinnenreiche Idee hatten die Veranstalter des Wiener Christkindlmarktes am Karlsplatz. Sie schütteten neben einer lebensgroßen Krippe meterhoch Stroh auf. Schafe und Ziegen hüpfen darin herum – und selbstverständlich viele Kinder. Wie sonst sollen die Dreikäsehochs in der Großstadt das Ereignis von damals im Stall von Bethlehem begreifen?

Wer mit offenen Sinnen durch den Advent geht, wird auch inmitten der lauten Geschäftigkeit eine leise Sehnsucht spüren: eine Sehnsucht der Menschen nach Wärme und Licht, nach Nähe und Liebe, nach Verständigung und Frieden in der Einen Welt.

Advent heißt übersetzt Ankunft. Gott will kommen. Er kommt durch die Sinne in den Sinn. Doch unserer Sehnsucht kommt er zuvor. Die Dichterin Nelly Sachs sagt richtungsweisend:

„Fing nicht auch Deine Menschwerdung, Gott,
mit dieser Sehnsucht nach dem Menschen an?"

Einen sinnenreichen und Sinn findenden Weg durch den Advent wünscht

Georg Deisenrieder
Pastoralreferent