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Meditaitver Impuls April 2018

Österlicher  Lichtimpuls

Bei einem religiösen Impuls in unserem Bischof-Wittmann-Haus gingen wir an Hand von Fotos den Weg Jesu in Jerusalem vom Palmsonntag bis Ostern nach, vom Einzug in die Stadt Jerusalem über das Letzte Abendmahl, seinem Kreuzweg bis zu den Auferstehungserfahrungen in Emmaus. Dabei entzündeten wir auch eine Kerze, die unser Abteilungsleiter Robert Gruber von seiner kürzlichen Reise nach Israel und Palästina aus der Grabeskirche mitbrachte. Kurz bevor die dünne Kerze vollständig verbrannte, entstand dieses surreal anmutende Bild. Der Docht nahm die Gestalt eines Kreuzes an, dessen Enden lichterloh glühten. Die thermisch-physikalische Analyse dieses Prozesses zu beleuchten, bin ich nicht imstande. Vielmehr frage ich mich: Ist dieses Bild nicht auch ein wunderbares Zeichen für das Osterereignis und für mich selbst?

Als Christen dürfen wir glauben: Wie die Kerze sich selbst hingibt und dabei Wärme und Licht verströmt, so gab Jesus am Kreuz sein Leben hin. Doch das Dunkel des Kreuzes verliert seinen Schrecken. Es strahlt in neuem Glanz auf. Die Nacht des Todes verwandelt sich zum Licht bringenden Morgen der Ewigkeit.

Alles tat Jesus aus Liebe - für uns Menschen, für jeden von uns. Diese Pro-Existenz finden wir wieder in der Katholischen Jugend für sorge. In unseren Häusern und Diensten sind wir in Jesu Fußstapfen unterwegs, weil wir uns ebenfalls nicht abfinden können mit den Dunkelheiten des Lebens, mit dem Schreien des Kindes nach therapeutischer Förderung, dem Ruf des allein gelassenen Jugendlichen nach einem festen Dach über dem Kopf, der Bitte des Menschen mit Behinderung um Hilfe bei der alltäglichen Lebensbewältigung.  Der Weg Jesu durch das Kreuz hindurch zur Auferstehung entlastet und ermutigt zugleich. Wenn wir anderen helfen, dürfen wir dies in einer achtsamen, korrigierend-österlichen Haltung tun: Nicht wir müssen die Welt retten und dabei tausende Mails checken. Er hat es bereits alles für uns getan.

 

Kathi Stimmer-Salzeder drückt es in ihrem österlichen Lied so aus:

Du wirst den Tod in uns wandeln in Licht,
dem Leben gibst Du ein neues Gesicht,
die Tränen trocknen, die Trauer zerbricht,
denn Du stehst auf, Du bist Leben und Licht.

Du wirst das Schweigen erfülln mit Gesang,
die Stimme findet zu Sprache und Klang,
auch unser Herz singt, es ist nicht mehr bang,
denn Du stehst auf, Du bist Stimme und Klang…

Den müden Glauben bestärkst Du mit Mut
und neue Freude brennt auf aus der Glut.
Wir gehen frei, wie die Liebe es tut,
denn Du stehst auf, Du bist Freude und Mut...

aus: God for You(th), Das Benediktbeurer Liederbuch, Nr.  449


Allen, die in diesen Tagen eine Osterkerze entzünden, wünsche ich diese verwandelnde Kraft aus der Glut des Auferstehungsglaubens  - allen, die lieber ohne österliche Zeichen und Symbole auskommen wollen, ein lichtvolles, wärmendes Herz, das auch durch dunkle Zeiten hindurch pulst.                             

Foto und Text: Georg Deisenrieder