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Junge Menschen mit Fluchthintergrund sind erfolgreich in der Ausbildung

Eine Aktuelle Umfrage in der Berufsschule St. Erhard in Plattling bestätigt: Junge Menschen mit Fluchthintergrund sind erfolgreich in der Ausbildung

Welche Faktoren beeinflussen, ob junge Menschen ihre Ausbildung erfolgreich bewältigen oder nicht? Wie stellt sich diese Situation speziell für junge Menschen mit Fluchthintergrund dar? Dieser Frage gingen der Schulleiter der Förderberufsschule St. Erhard der KJF in Plattling, Stephan Eichinger, und sein Lehrerkollegium nach. Verändert sich die Lebenssituation der Auszubildenden mit Erreichen der Volljährigkeit plötzlich, so erschwert dies die berufliche Ausbildung, das hat die Umfrage deutlich ergeben. Eichinger verwehrt sich gegen das Vorurteil, viele Flüchtlinge würden ihre Ausbildung abbrechen. „Für unsere Schule gilt das nicht", sagt er, im Gegenteil in vielen Fällen verläuft die Ausbildung gut bis sehr gut und die jungen Flüchtlinge sind generell gut integriert. In den meisten Fällen sind die beruflichen Perspektiven positiv."

51 junge Menschen aus Afghanistan, Pakistan und afrikanischen Staaten absolvieren aktuell in einer der 40 Klassen in St. Erhard ihre Ausbildung. Sie möchten Friseur, Bäcker, Metzger, Mauerer, Maler, Schreiner, Metallbauer oder auch Konstruktionsmechaniker werden. Bereits vor drei Jahren wurden die ersten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge an der Schule aufgenommen. Die Chancen eine Arbeitsstelle zu finden, sind gut, denn viele Betriebe auf dem ersten Arbeitsmarkt haben offene Stellen.

Foto: Plattlinger Anzeiger, Oliver Grimm: Abdul (mitte) mit seinen Mitschülerinnen der Ausbildungsklasse "Friseur/in" und Schulleiter der Förderberufsschule St. Erhard Stephan Eichinger.

Welche Faktoren die Erfolgschancen auf eine gelingende Ausbildung beeinflussen, zeigte die aktuelle Umfrage an der Schule deutlich auf. Von 42 befragten jungen Auszubildenden mit Fluchthintergrund verläuft bei 11 die Ausbildung sehr erfolgreich, bei 9 gut, bei 7 zufriedenstellend, bei 11 mit ausreichendem Erfolg und nur bei 4 ergibt sich keine Perspektive auf Erfolg. „Abbrecher gibt es immer", sagt Schulleiter Stephan Eichinger. Die Quote liege in St. Erhard auch bei deutschen Jugendlichen bei rund sechs Prozent. Das Ergebnis der Umfrage sei vergleichbar. Herauszustellen bleibt, dass bei einem Großteil (27) der jungen Flüchtlinge die Ausbildung sehr erfolgreich bis zufriedenstellend verläuft.

Der zweite Teil der Umfrage nahm in den Blick, was die Ausbildung erschwert. Organisatorische Faktoren wie unzureichende Wohnverhältnisse, eine unsichere Bleibeperspektive, Irritationen durch Behörden, mangelnde außerschulische Unterstützung und die geringe gesellschaftliche Teilhabe wurden bewertet. Am intensivsten, mit jeweils 25% erschweren eine unsichere Bleibeperspektive, Irritationen durch Behörden und eine mangelnde außerschulische Unterstützung das Gelingen der Ausbildung. Bei den personalen Faktoren sind es mit 47 % die mangelnde Sprachkompetenz und mit 31 % das fehlende Vorwissen sowie mit 15 % emotionale-soziale Beeinträchtigungen, die sich negativ auf den Ausbildungsverlauf auswirken. Trotzdem werden laut Eichingers Prognose viele der jungen Flüchtlinge ihre Ausbildung schaffen.

600 junge Menschen in St. Erhard profitieren von einer individuellen, passgenauen Förderung. Die Lehrer kennen das Umfeld und die Probleme der Schüler, gehen auf sie ein und unterstützen sie. Gelingt die Ausbildung, gelingt der Weg in das Berufsleben, gelingt auch die gesellschaftliche Teilhabe. Davon ist Stephan Eichinger überzeugt.

Text: Christine Allgeyer