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Jugendhilfe-Verbände: Junge Flüchtlinge brauchen Perspektiven

München (KNA): Vertreter der konfessionellen Erziehungshilfe und Jugendsozialarbeit haben die Staatsregierung aufgerufen, jungen Flüchtlingen ohne Einschränkungen eine Berufsausbildung zu ermöglichen. Egal aus welchem Land die Betroffenen kämen, sollte bei ihnen die sogenannte 3+2 Regelung gelten, forderte die Vorsitzende der Evangelischen Jugendsozialarbeit Bayern, Sandra Schuhmann, am Freitag in München. So sieht das Anfang August 2016 bundesweit in Kraft getretene Integrationsgesetz vor, dass den Betroffenen erlaubt wird, eine dreijährige Ausbildung zu machen und danach zwei Jahre in dem Beruf zu arbeiten.

Das Bayerische Innenministerium habe jedoch mit seiner Weisung an die Ausländerbehörden im September 2016 diese Bestimmung in Teilen erheblich eingeschränkt, wurde von den Verbandsvertretern der beiden Kirchen beklagt. Mit dieser Weisung werde eine Duldung für die Dauer der Berufsausbildung schon dann untersagt, wenn sich abzeichnen sollte, dass der junge Mensch ausreisen müsse. Vertreter von katholischen und evangelischen Jugendhilfeverbänden riefen die Staatsregierung zu einem Kurswechsel auf. Der Zugang zu Ausbildung und Arbeit müsse unabhängig von der Bleibehilfe gewährleistet sein. Unterstützt werde das Anliegen auch von der bayerischen Wirtschaft.

Der Vorsitzende des Landesverbands katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfe in Bayern, Michael Eibl, nannte es ein No-Go, Minderjährige abzuschieben. Jugendliche müssten Perspektiven bekommen und dürften nicht ständig, wie derzeit bei afghanischen Flüchtlingen der Fall, Angst vor Abschiebung haben müssen. Das gefährde den inneren Frieden in Deutschland wie auch in deren Heimat, wenn die Betroffenen etwa als "Verlierer" zurückkehren müssten. Die 3+2-Regelung biete jungen Flüchtlingen die Möglichkeit, selbst wenn sie später Deutschland verlassen müssten, in ihrem Heimatland als "Entwicklungshelfer" ihr Wissen einzusetzen.

Im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) plädierte Eibl dafür, trotz anstehender Wahlen den Mut zu haben, gegen Pegida und AfD den Menschen und die Werte der Verfassung in den Mittelpunkt zu stellen. Es gehe darum, einen "Gegenpol der Menschlichkeit" zu bilden zu denen, die die Ellenbogen ausfahren. Dabei setzt Eibl auf Fakten. So seien die Erfahrungen der vergangenen beiden Jahre intensiv ausgewertet worden, detaillierte Zahlen und Fallbeispiele lägen vor. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigten, dass die Jugendhilfe bei jungen Flüchtlingen, ob minderjährig oder gerade volljährig, höchst effizient sei, sagte Eibl. Das gelte für die Sprachförderung wie das Verhalten und die Integrationsfähigkeit.

Text: KNA, veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.