„Sie sind unverzichtbare Partner für ein soziales Bayern.“

Direktoren und Führungskräfte der Katholischen Jugendfürsorgevereine in Bayern und Parlamentarier im Austausch

Beim parlamentarischen Abend des Landesverbandes der Katholischen Jugendfürsorge-vereine in Bayern am vergangenen Dienstag in München standen die Entwicklungen der SGB VIII-Reform und die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge auf dem Programm. Eingeladen hatte der Vorsitzende des LV-KJF und Direktor der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) Augsburg, Markus Mayer. Seine wichtigste Botschaft an die Parlamentarier: „Jugendhilfe kostet nicht nur, sie wirkt!" Das belegte eindrucksvoll auch Professor Dr. Michael Macsenaere, der die Ergebnisse einer breit angelegten Evaluationsstudie (EVAS) zur Wirksamkeit der Hilfen zur Erziehung präsentierte, mit der seit 1999 über 50.000 Hilfen in allen 16 Bundesländern evaluiert wurden.

Bild v.li.: MdL Hans Herold, Prof. Dr. Michael Macsenaere, KJF-Direktor Michael Eibl, KJF-Direktor Bartholomäus Brieller, MdL Josef Zellmeier, MdL Joachim Unterländer, MdL Eberhard Rotter, Vorstandsvorsitzender Markus Mayer.

Erfahrungen und Entwicklungen aus der Praxis in die Politik bringen – dazu und zu einem offenen Dialog lud der Vorstandsvorsitzende des LV-KJF Markus Mayer die Gäste aus dem Landtag ein. Mit dabei: MdL Joachim Unterländer, CSU-Fraktionsvorstand und Vorsitzender des Ausschuss für Arbeit und Soziales, Jugend, Familie und Integration, MdL Josef Zellmeier, parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Fraktion, die MdL Eberhard Rotter, Franziska Hofmiller, Hans Herold, Bernhard Seidenath und Jürgen Baumgärtner. Gemeinsam mit den Kollegen im Vorstand des LV-KJF Bartholomäus Brieller, Direktor der KJF München-Freising, und Michael Eibl, Direktor der KJF Regensburg, war es Markus Mayer wichtig, insbesondere die Situation der unbegleiteten Minderjährigen und das Engagement der freien Träger mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Geflüchteten in den Blick zu nehmen. Welche politischen Rahmenbedingungen brauchen die betroffenen jungen Menschen, damit sich gute Lebensperspektiven entwickeln?

„Jugendhilfe rechnet sich."
Jeder in die Jugendhilfe investierte Euro, der einem jungen Menschen zugutekommt, hat in späteren Jahren einen volkswirtschaftlichen Nutzeffekt von drei Euro. Ethisch-moralisch und bezogen auf die Person wie auf die Gesellschaft wirken sich Hilfen zur Erziehung positiv in den Bereichen Bildung, Erwerbstätigkeit, Gesundheit und Delinquenz aus. Macsenaeres Studien belegen 70% Effektivität der Hilfen zur Erziehung (evaluiert wurden 14 Hilfearten). Gut 2/3 verlaufen erfolgreich, 10% neutral und 20% zeigten einen negativen Verlauf. Das sei angesichts der drastischen Ausgangslagen als erfolgreich zu betrachten. Prof. Dr. Macsenaere wies darauf hin, dass der Effektindex nach Hilfedauer zeige: je länger, desto besser; außerdem habe sich gezeigt, dass der Effektindex bei unbegleiteten Minderjährigen im Vergleich zur deutschen Klientel höher sei. Die Vertreter aus der Praxis machten an diesem Punkt deutlich: Entscheidend ist ein professionelles und differenziertes Clearingverfahren mit ausreichend Zeit, sind verlässliche Strukturen und die Sicherheit, eine Ausbildung beginnen zu können. „Die Wirkfaktoren bei den jungen Flüchtlingen werden wesentlich beeinflusst vom Aufenthaltsstatus", so Macsenaere.

In einem Steckbrief für Bayern, der sich auf 8.323 evaluierte Fälle bezieht, stellte Macsenaere die Kosten-Nutzen-Relation in der Jugendhilfe in Bayern im bundesweiten Vergleich als überdurchschnittlich heraus. Bayern gehöre allen voran zur Spitzengruppe. Dies sei auf ein starkes Landesjugendamt zurückzuführen, auf die Praxis der sozialpädagogischen Diagnostik im ASD (Allgemeiner Sozialer Dienst) und auf eine gute Zuweisungsqualität.

Im Dialog bleiben
KJF-Direktor Michael Eibl erklärte in der Diskussion mit den Parlamentariern, dass sich die katholischen Einrichtungen in Bayern seit mehr als drei Jahren für unbegleitete minderjährige und junge volljährige Flüchtlinge engagierten. Über 3.000 junge Menschen wurden begleitet, aktuell sei die Zahl auf 2.100 gesunken. Belastend sei, wenn notwendige Hilfen wie eine gute Abklärung und bei Bedarf auch therapeutische Hilfen nicht gewährt werden und stattdessen die jungen Menschen im sog. Jugendwohnen, einer vergleichsweise kostengünstigen, dabei aber wenig intensiven und für diesen Personenkreis oft nicht (gleich) passenden Maßnahme untergebracht werden. Dürfen die jungen Menschen dann eine Ausbildung nicht beginnen, weil, so werde dann argumentiert, die Abschiebung drohe, und werden in der Gemeinschaftsunterkunft untergebracht, dann würden damit viele positive Entwicklungen zunichte gemacht. Wie müssen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fühlen, die diese jungen Menschen begleitet haben? Auch dieser Aspekt wurde bei der Diskussion seitens der Praktiker eingebracht und dargestellt.

Joachim Unterländer hatte zu Beginn der Veranstaltung herausgestellt: „Sie sind unverzichtbare Partner für ein soziales Bayern." Darauf nahm Professor Dr. Macsenaere in seinem Schlusswort zur Veranstaltung Bezug und forderte die politischen Mandatsträger wie die Vertreter/innen der Verbände auf, miteinander im Gespräch zu bleiben und Optionen zu nutzen, wie man miteinander besser werden könne.

Text und Bild: Christine Allgeyer