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Berufsinformationstag in der Bischof-Wittmann-Schule der KJF

Perspektiven zum Start in das Arbeits- und Berufsleben für junge Menschen mit Handicap

„Unser Sohn steht kurz vor seinem Schulabschluss und da haben wir uns gefragt, wie wir mit ihm den Übergang vom Förderzentrum ins Berufsleben gestalten können", sagt Katrin Kessel, Elternbeiratsvorsitzende der Bischof-Wittmann-Schule der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V. Ihr 16-jähriger Sohn ist auf die Unterstützung seiner Eltern angewiesen. „Familien in dieser Situation fühlen sich häufig verunsichert. Deshalb möchten wir zusätzlich zur Beratung durch unsere Lehrkräfte gerne noch weitere Informationsmöglichkeiten zur Unterstützung anbieten", bestätigt Dr. Katja Sachsenhauser, Schulleiterin der Bischof-Wittmann-Schule. Aus diesem Anliegen heraus haben Schule und Elternbeirat einen Berufsinformationstag für Eltern von Schulabgängern mit Handicap auf die Beine gestellt.

Uwe Tschermack (Sozialdienst Werkstätte der Lebenshilfe in Obertraubling), Gerlinde Braun (Agentur für Arbeit),  Christian Reinwald (Leiter der Förderstätte der Lebenshilfe in Lappersdorf), Verena Ninding (Integrationsfachdienst Regensburg), Johann Halbritter (Geschäftsführer Lebenshilfe Werkstätten Regensburg), Dr. Katja Sachsenhauser (Schulleiterin Bischof-Wittmann Schule); Rolf-Dieter Frey (Einrichtungsleiter Lebenshilfe Werkstätte Lappersdorf), Katrin Kessel (Elternbeiratsvorsitzende Bischof-Wittmann Schule)

Eingeladen waren Familien, Lehrkräfte und Kooperationspartner, die sich zum Thema „Übergang ins Berufsleben von jungen Erwachsenen mit geistiger Behinderung" austauschten. Die Informationen der Partner aus der Agentur für Arbeit, dem Berufsbildungswerk in Abensberg, der Lebenshilfe Regensburg und dem Integrationsfachdienst standen im Mittelpunkt der Veranstaltung.

Teilhabe am Arbeitsleben: Wo und wie?

„Wer ist am Berufsübergang beteiligt? Wie ist das Procedere? Welche Möglichkeiten gibt es?", das waren die Fragen der Eltern, die in vier Vorträgen beantwortet wurden. Johann Halbritter, Geschäftsführer der Lebenshilfe Regensburg, stellte die Werkstätten der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung an mehreren Standorten in und um Regensburg vor. Treten junge Erwachsene in eine Werkstätte ein, durchlaufen sie 27 Monate den Bereich der beruflichen Bildung. Im Eingangsverfahren wird festgestellt, ob die Werkstätte für sie die geeignete Einrichtung zur Teilhabe am Arbeitsleben ist, oder ob es weitere Alternativen gibt. Ziel ist es, die persönliche Entwicklung der jungen Menschen zu fördern. Vielfältige arbeitsbegleitende Maßnahmen in den Bereichen Kunst, Sport und Entspannung decken eine breite Palette individueller Bedürfnissen ab.

Das Berufsbildungswerk der KJF St. Franziskus in Abensberg nimmt vor allem Schulabgänger aus Mittelschulen und Förderzentren mit Förderschwerpunkt Lernen auf. Auch „Grenzgänger" aus Förderzentren mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, die über entsprechende Fähigkeiten verfügen, könnten dort einen geeigneten Weg in eine Ausbildung finden, stellte der stellvertretende Schulleiter der Berufsschule im Berufsbildungswerk in Abensberg, Carsten Jelitto, heraus. Das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) sei für Schülerinnen und Schüler geeignet, die noch nicht wissen, welche berufliche Richtung sie einschlagen wollten. Des Weiteren wären berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BVB) für junge Menschen ohne berufliche Erstausbildung ein möglicher Ansatz – in Einzelfällen auch für Schulabgänger aus dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung.

Unterstützung durch die Agentur für Arbeit

Beim Übergang von der Schule in das Arbeits- und Berufsleben übernimmt die Agentur für Arbeit für Schulabgänger mit Handicap eine wichtige Rolle. Das machte Gerlinde Braun von der Agentur in Regensburg deutlich. In Werkstätten finanziert die Agentur das Eingangsverfahren und den Berufsbildungsbereich, im Berufsbildungswerk die Maßnahmen der beruflichen Orientierung und Vorbereitung sowie die Ausbildung. Der Bezirk als Kostenträger tritt dann auf den Plan, wenn Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Berufsbildungsbereich in einer Werkstätte durchlaufen haben und anschließend dort beschäftigt sind.

Gerlinde Braun arbeitet eng mit den Förderzentren zusammen. Frühzeitig macht sie sich bei Praxiseinsätzen der Schülerinnen und Schüler bereits vor dem Schulabschluss ein Bild von deren Leistungsfähigkeit. So kann sie den Eltern in Gesprächen einen geeigneten beruflichen Weg für deren Kind vorschlagen. Dies ist auch das Anliegen von Verena Ninding, die beim Integrationsfachdienst für die sogenannte unterstützte Beschäftigung zuständig ist. Zu diesem Thema hat der Elternbeirat der Bischof-Wittmann-Schule bereits die nächste Veranstaltung geplant: Am 27. Juni 2017 dreht sich alles um das Thema: Fördermaßnahme Übergang Schule-Beruf.

Katrin Kessel ist mit dem ersten Berufsinformationstag an der Bischof-Wittmann-Schule zufrieden. „Das Feedback war durchwegs positiv", freut sie sich. Besonders gut angekommen sei das Zusammenspiel aller Beteiligten. „Schließlich haben wir alle dasselbe Ziel, nämlich gute und erfolgversprechende Wege für junge Menschen mit geistiger Behinderung in das Berufsleben zu gestalten", sagen die Veranstalterinnen Katrin Kessel und Dr. Katja Sachsenhauser. Dafür sind Netzwerke wichtig. Aus diesem Grund soll die Veranstaltung an der Bischof-Wittmann-Schule in Absprache mit allen Beteiligten alle zwei Jahre angeboten werden. Das Pater-Rupert-Mayer-Zentrum der KJF (Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung) bietet ebenfalls regelmäßig eine Berufsinformationsmesse mit Themen rund um das Arbeits- und Berufsleben für junge Menschen mit Handicap an.

Text: Katrin Kessel, Christine Allgeyer