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B.B.W. St. Franziskus qualifiziert geflüchtete junge Menschen

Bewerbungen schreiben, eine Praktikumsstelle antreten, sich ausprobieren und mit einer qualifizierten Ausbildung ins Berufsleben durchstarten – das ist der Weg, den deutsche Jugendliche und junge Erwachsene nach ihrer Schulzeit einschlagen. Vielen jungen Menschen, die in unser Land geflüchtet sind, ist der Zugang zu einer Ausbildung aufgrund eines ungeklärten Aufenthaltsstatus jedoch verwehrt. Ihnen trotzdem Perspektiven für ihr späteres Leben zu geben, gelingt im Berufsbildungswerk (B.B.W.) der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V. mit einer Qualifizierungsmaßnahme.

Arif Khoramkhel mit seinen Ausbilderinnen: Kathrin Kamhuber (li.) und Lisa Forster (re.) im Friseursalon Kamm-in im B.B.W.

Perspektiven geben trotz extremer Belastungssituation

„Sie haben ihren Ausbildungsvertrag in der Tasche und können ihre Ausbildung nicht beginnen, weil sie einen negativen Asylbescheid haben", sagt Bereichsleiterin Johanna Anthofer. Und doch bleiben die jungen Männer noch einige Zeit bei uns, bis sie in ihre Heimat zurückkehren." Für die Pädagogen im Berufsbildungswerk ist es das Gebot der Stunde, sie auch in dieser extremen Belastungssituation zu unterstützen und ihnen Perspektiven für ihre Zukunft zu geben. Seit 2014 fördert und begleitet das B.B.W. St. Franziskus in Abensberg unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in unterschiedlichen Wohnformen.

Junge Afghanen haben es besonders schwer

Neu in Deutschland angekommen, stand und steht das Erlernen der deutschen Sprache im Fokus der jungen Männer aus Afghanistan, Syrien, Somalia und Guinea. Wie für alle anderen im B.B.W. stellt sich für sie nach zwei Jahren Schulbesuch – bei manchen mit Mittlerem Bildungsabschluss – die Frage: „Welche Ausbildung soll ich machen?" „Leider glückt der Weg in die Ausbildung nicht allen jungen Männern, die derzeit im B.B.W. St. Franziskus Abensberg leben und dort seit ihrer Ankunft volljährig geworden sind", so Johanna Anthofer, „vor allem die Situation für viele volljährige Afghanen gestaltet sich besonders problematisch."

Gutes Rüstzeug für das spätere Leben

Da die jungen Volljährigen bis zu ihrer möglichen Ausreise zunächst weiterhin in einer Maßnahme der Jugendhilfe bleiben, auch wenn sie keine Ausbildung beginnen dürfen, haben die Ausbilder und Pädagogen nach einem hilfreichen und sinnvollen Angebot für sie gesucht und gefunden. So werden seit Oktober 2017 erfolgreich sogenannte Qualifizierungsbausteine nach § 69 BBiG angeboten. „Es ist sehr gut, dass wir diesen jungen Menschen in einer sehr schwierigen Situation beistehen können", erklärt Michael Eibl, Direktor der KJF. „Die Lerninhalte ausgewählter Module orientieren sich an anerkannten Ausbildungsberufen. Die jungen Geflüchteten erwerben Kenntnisse, die sie in ihrem späteren Leben gut brauchen können", so Eibl weiter. Erfahrene Ausbilder/innen im Bereich der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen führen die jungen Männer durch diese Qualifizierungsbausteine. Zum Abschluss erhalten sie ein Zertifikat in deutscher und in ihrer Muttersprache. „Diese Maßnahme ersetzt zwar keine Ausbildung", meint Johanna Anthofer, „doch sie bietet den jungen Männern einen geregelten Tagesablauf und gibt ihnen das Gefühl nicht untätig zu sein, sondern Sinnvolles zu lernen." 10 Plätze stehen in der Qualifizierungsmaßnahme zur Verfügung.

Text: Christine Allgeyer